
Elba! Ein magisches Wort nicht nur für Italien-Urlauber generell, sondern insbesondere auch für Privatpiloten, denn sinnvollerweise besitzt die toskanische Mittelmeerinsel auch einen schönen Flugplatz, der Privatpiloten geradezu zu einem Ausflug einzuladen scheint. Schließlich beträgt die Flugzeit aus Süddeutschland selbst mit einer Cessna 172 gerade mal ca. dreieinhalb Stunden.
In der Tat gehört der Besuch des wunderschönen Flugplatzes und der Insel zu den besten Dingen, die man in Europa mit einem Privatflugzeug machen kann.
Zum Thema Gebühren: Schon immer waren die Lande- und Abstellgebühren auf Elba relativ hoch. Das hat damit zu tun, dass dieser Platz privatwirtschaftlich betrieben wird. Anfang 2011 geschah es, dass die Parkgebühren nochmals vervielfacht wurden und so einen längeren Aufenthalt auf Elba praktisch unbezahlbar gemacht haben.
Glücklicherweise ist im Laufe des Jahres die italienische AOPA interveniert, mit Erfolg: Seit Beginn 2012 sind die Gebühren wieder mehr oder weniger auf das Niveau von 2010 zurückgekehrt. Im Klartext heißt das: ca. 40 Euro pro Landung mit einem Zweitonner und einem Passagier. Für das Parken kommen pro Tag ca. 15 Euro hinzu. Es ist die Absicht der AOPA (in Zusammenarbeit mit dem Platzbetreiber) in Zukunft noch weitere Anreize für Elba-Besuche zu schaffen, so z.B. Rabatte für häufige Besucher sowie Konventionen mit Hotels, Autovermietern, etc.
Als Tankstopp lohnt sich der Platz bei einem Avgas-Preis von (Stand 2012) 3,52 Euro allerdings nicht. Auch hier will die AOPA im Zusammenarbeit mit dem Platzbetreiber in Zukunft Besserung herbeiführen. Jet-Fuel kostet übrigens 2 Euro.
Ein Besuch Elbas sei somit allen ambitionierten Piloten ans Herz gelegt. Zur Vorbereitung seien neben den üblichen offiziellen Publikationen zum einen die Website des Flughafens genannt, sowie zum anderen die diversen Pireps unter eddh.de, die hier noch einmal zusammengefasst sein sollen:
Die neue (2012er) Gebührenordnung ist detailliert auf der Website des Platzes veröffentlicht (leider dereit nur in Italienisch): siehe hier.
Auf folgendes ist zu achten: Schulflüge (wenn man das nachweisen kann) bezahlen weniger. Rabatt gibt's auch für Aeroclub-Flugzeuge, sowie wenn man AOPA-Mitglied ist (auch AOPA USA geht). Außerdem werden (wie meistens in Italien) die Lande- und Handlinggebühr pro ganze Tonne MTOW abgerechnet, d.h. ein Flug mit einem Eintonner kostet deutlich weniger als mit einem Zweitonner. Seinen Weiterflugplan sollte man anderweitig und nicht am Platz aufgeben, denn auch das kostet extra. Leider wird entgegen aller Tatsachen und Logik bei VFR-Flügen kein zweites Besatzungsmitglied akzeptiert, d.h. wenn man zu viert ist, bezahlt man stets 3 Paxen. Nur wenn man IFR an- oder abfliegt, werden zwei Piloten akzeptiert.
Bei Südwind wird auf der 16 gelandet; hier muss man dem in der VAC veröffentlichten Flugweg ("Guardiola Approach") folgen und immer schön nah am Gelände bleiben und nicht zu schnell sein, sonst landet man lang.
Bei Nordwind wird auf der 34 Richtung Berg gestartet; dies sollte man aber nur tun, wenn man genug Leistungsreserve hat. Wägen Sie speziell bei hohen Temperaturen und großer Beladung sehr gut ab, ob Sie bei leichtem Nordwind tatsächlich auf der 34 starten wollen, oder doch ein paar Knoten Rückenwind akzeptieren und auf der 16 Richtung Meer rausgehen sollten. Nicht wenige Flugzeuge sind beim Start bzw. beim Durchstarten auf der 34 bereits schwer verunglückt. Hier finden Sie ein Video, das den berüchtigten Abflug von der 34 zeigt (ich war der Pilot Flying).
Das Personal am Platz ist hilfsbereit und freundlich, wenn auch nicht überschwänglich (es handelt sich um keinen Aeroclub-Platz).
Routentipps:
Wie man von Norditalien an die toskanische Küste kommt, ist im Abschnitt "Forte dei Marmi / Massa-Cinquale" beschrieben. Ab Massa ist es üblich, der veröffentlichten Standard-Strecke entlang der Küste zu folgen. Diese ist wunderschön und geht über Viareggio und Marina di Pisa nach Livorno. Einziger Nachteil: Diese kann nur in maximal 1000 Fuß GND beflogen werden; Ausnahmen nässt Pisa Approach leider auch bei wenig Verkehr nur sehr selten zu, da (theoretisch) ein Konflikt mit den Instrumentenanflügen auf die Piste 04 von Piste entstehen könnte. Ab Livorno gibt es wiederum zwei Möglichkeiten: Entweder man fliegt von dort direkt nach Elba (bedeutet eine Flugzeit über offenes Wasser von ca. 20 Minuten bei 120 Knoten) oder man fliegt die Küste noch weiter entlang über Castglioncello bis nach Piombino. Von dort ist es nur noch ein dreiminütiger Katzensprung nach Elba. Der Platz ist wunderschön in die Insellandschaft zwischen fünf Meter hohen Schilffeldern eingebettet.
Für diejenigen, die mit dem Fliegen längerer Strecken über Wasser kein Problem haben, gibt es ab Massa-Cinquale noch eine Alternativroute übers Meer. Ab Massa fliegt man unter Beachtung der Pisa CTR) mit Kurs Südwest quasi direkt zur "Isola di Gorgona", einem kleinen Archipel ca. 20 NM westlich von Livorno. Ab dort fliegt man südlich Richtung "Isola di Capraia" und von dort direkt nach Elba. Vorteil dieser Route: Weniger Verkehr als auf der Küstenroute. Außerdem kann man meist deutlich höher als 1000 Fuß GND fliegen.
Freizeittipps:
Der Airportshuttle bringt einen für 10 Euro nach Marina di Campo und holt für dasselbe Geld wieder ab. Alternativ kann man am Platz Autos leihen (www.elbabycar.it); dieser Verleiher ist aber eher einen Tick teuer und außerdem im Sommer häufig "ausverkauft". Stattdessen lohnt sich ein Blick auch auf www.elbarent.eu. Dieser Verleiher befindet sich nur 200 Meter vom Flugplatzausgang entfernt (Richtung Procchio, an der IP-Tanke) und ist deutlich günstiger. Der Fußweg nach Marina di Campo dauert gute 15 Minuten und kann mit Gepäck und in der Mittagssonne sehr mühevoll sein.
Aufgrund seiner Größe und Beschaffenheit eignet sich Elba jedoch eigentlich perfekt dazu, mit einem Motorroller erkundet zu werden, das ist traumhaft! Elbarent hat solche. Auch in Marina di Campo gibt es mehrere Verleihdienste. Lassen Sie sich vom Airport-Taxi dorthin bringen. Das Vergnügen ist allerdings (wie alles in Elba) nicht billig; ein Roller kostet pro Tag fast genauso viel wie ein Auto! Traumhaft sind insbesondere die Küstenstraßen im Westen und Süden der Insel! Es gibt haufenweise Buchten mit schönen Stränden, jede Ecke sieht anders aus.
Sehr empfehlenswert ist wegen des frischen Fischs und des schönen Blicks über die Bucht das Strandrestaurant "La Lucciola" in Marina di Campo (Tel. 0565/976395), welches aber nur im Sommer geöffnet ist.
Was Hotels angeht, findet man hier eine gute, übersichtliche Hotelliste für alle Orte auf der Insel. In Marina di Campo war ich zuletzt mit "La Barcarola" sehr zufrieden: Mitten im Zentrum, dennoch mit Privatparkplatz und auch in der Saison nur ca. 50 Euro pro Bett.
