Flugvorbereitung – Flugdurchführung – Flugziele

Mailand

Mode, Shopping, Lifestyle und Fußball – dafür steht die norditalienische Metropole Mailand.

Mailand ist durchaus einen Besuch wert; schließlich ist man von Süddeutschland kommend mit z.B. einer PA28 in gut zweieinhalb Stunden Flugzeit da. Insbesondere die Route über das Inntal mit anschließendem Überflug des Maloja-Passes bietet sich aus Bayern kommend an; aus Baden-Württemberg bieten sich Gotthard, Splügen und San Bernardino an (für Details aller Strecken siehe den Abschnitt „Routen“).

Und ein Hinweis für VFR-Flieger: egal auf welchen Platz in der Region Mailand man fliegt, man wird es stets mit der TMA Mailand, also recht tief greifendem und weit ausladendem Luftraum A zu tun haben, in den man schlicht nicht rein darf. Daher muss man beim Anflug meist schon früh ziemlich tief sinken und muss beim Abflug lange tief bleiben. Für weitere Details dazu, siehe den Abschnitt „Luftraumstruktur“.

Ich persönlich bin zwar kein so großer Freund der Stadt Mailand (ziehe unter den Großstädten Turin um Längen vor); dennoch kenne ich die möglichen Landealternativen Mailands ganz gut und möchte diese hier vorstellen. Für die IFR-GA ist Mailand ein teures und auch eher kompliziertes Pflaster. VFR geht es besser. Aber der Reihe nach:

Milano-Bresso (LIMB)

Bresso ist der GA-Stadtflugplatz von Mailand, im nördlichen, gleichnamigen Stadtviertel gelegen. Er ist Heimat der AOPA Italia und des größten Aeroclubs Italiens, des Aeroclub Milano.

Der Platz ist täglich ohne Mittagspause geöffnet. Man braucht seit einigen Jahren stets ein PPR, welches über ein Online-Formular auf der Aeroclub-Website beantragt werden muss; es gibt Avgas und Jetfuel, direkt an der Zapfsäule mit Kreditkarte zu bezahlen.

Die Asphaltpiste ist gute 1000 Meter lang. Die präferentielle Piste ist die 18. Es gibt keine IFR-Verfahren, allerdings ist es – wie auch an einigen anderen Stadtflugplätzen – möglich, die Anflüge des nächstgelegenen Verkehrsflughafens (in diesem Fall Milano Linate, LIML) zum „Cloudbreaking“ zu nutzen. In jedem Fall muss man mit Y-Flugplan am Ende immer gewisse Umwege fliegen.

Die Anflugverfahren von Bresso sind mitunter recht speziell, die Luftraumstruktur in Flugplatzumgebung sehr genau zu beachten. Auf der Website des Aeroclubs gibt es ein Briefingdokument, dass die Routen (und vorgeschriebenen Flughöhen) und auch Meldepunkte mit Fotos etc. erläutert. Man braucht unbedingt Kenntnis der Infos in diesem Dokument, um sich hier ordentlich in den lokalen Verkehr einzufügen. In der AIP gibt es diese Infos nicht.

Es ist sogar auch Zoll (also für Flüge in die oder aus der Schweiz) möglich. Ganz ohne Extra-Gebühren. Das ist natürlich eine super Sache; hat der Norden Italiens doch so sehr wenige GA-Plätze, wo man Zoll machen kann.

Parken für Gäste ist nicht auf dem Asphaltvorfeld, sondern in der Regel auf Gras, das aber gepflegt ist. Die Gebühren sind recht moderat. Am Platz gibt es eine Bar und ein Restaurant, das täglich außer montags geöffnet ist.

Vom Flugplatz kann entweder zu Fuß zur sehr nahen Bushaltestelle der Linie 708 gehen (welche zur Metro-Station führt) oder sich mit einer kurzen Taxifahrt ins Metronetz von Mailand einklinken. Direkt mit dem Taxi bis in die City wird doch etwas teurer (ca. 40-50 Euro). Allerdings gibt es in Mailand auch UBER, was günstiger ist.

Mietwagen (Hertz, Avis, Drivalia) gibt es im recht nahen Sesto San Giovanni (möglicherweise hat der Aeroclub auch immer noch eine Vereinbarung mit einem Autoverleiher). Das empfehle ich aber nur, wenn man in das Umland vom Mailand will. Selbst Auto fahren in der City von Mailand ist ziemlich fürchterlich; es gibt viele Innenstadtbereiche, in die man zu gewissen Tageszeiten nicht hinein darf, etc.

Bei Bedarf gibt es auch ein Hotel („Neo“) und ein paar Restaurants nur ein paar Schritte außerhalb der Flughafenzufahrt.

Der Platz ist somit in Summe zu empfehlen, es sei denn, das Wetter ist schlecht (kommt speziell im Winterhalbjahr aufgrund Nebels häufig vor), man man will nachts landen. Dann lautet die (teure) Alternative:

Milano-Linate (LIML)

Auch dieser Platz ist durchaus als „Stadtflughafen“ zu bezeichnen, liegt er doch nur ca. zwei Kilometer außerhalb des Autobahnrings. Es fahren regelmäßig Linienbusse ins Zentrum.

In Linate findet viel Linienflugverkehr und Geschäftsreiseverkehr statt, aber auch die „GA“ kann hier – allerdings mit gewissen Einschränkungen und bei ziemlich hohen Gebühren – landen. Die GA-Ramp und das GA-Terminal (mit eigenem Sicherheits- und Zollpersonal) liegt auf der Westseite des Airports. Für diesen Apron und überhaupt für die Benutzung des Taxiways und Runways gibt es einen Haufen Sonderregelungen. Dies alles hier aufzulisten wäre unmöglich. Daher sei hier an den entsprechenden Abschnitt der AIP verwiesen. Dennoch ein paar wesentliche Infos:

Starts und Landungen finden in aller Regel auf der Piste 36 statt. Mann muss bei VFR-Anflügen dadurch gelegentlich mit leichten Delays rechnen.

Achtung: Es gibt in Linate kein Special-VFR, was insbesondere aufgrund der im Winterhalbjahr sehr häufigen Dunst-/Nebelwetterlagen problematisch sein kann. Im Gegenzug ist dafür aber mit Einschränkungen Night-VFR möglich. Außerdem sind IFR-Anflüge nur zulässig, wenn man in der Lage ist, mindestens 120 Knoten im Anflug zu fliegen, was aber mit 95% aller IFR fliegenden Flugzeuge kein unüberwindbares Problem darstellen sollte.

Was VFR-Flüge betrifft, gibt es leider recht große Einschränkungen; konkret sind VFR-Flüge mit Flächenflugzeugen täglich nur noch innerhalb zweier bestimmter Zeitfenster gestattet. IFR-Flüge sind davon nicht betroffen.

PPR: Es gibt gemäß AIP keine PPR-Pflicht. Man braucht auch keinen Slot, auch nicht wenn man IFR kommt. Allerdings braucht man Handling, welches aber lediglich durch einen Eintrag in Feld 18 des FPL (falls man einen hat) notifiziert wird, d.h. auch der Handling-Agent muss vor dem Flug – es sei denn man will nachts landen – gemäß AIP nicht unbedingt vorab informiert werden (in der Praxis findet das natürlich schon statt). Es ist aber gefordert, ca. 10-15 Minuten vor der Landung auf der West Apron Coordination Frequenz (131.775) seinen Handling-Agent und Startflugplatz anzugeben. Für die GA gibt es derzeit fünf verschiedene Agents (Kontaktdetails siehe AIP); man sollte vorher mehrere nach einem konkreten (und kompletten!) Kostenvoranschlag beten, um den am wenigsten teuren zu finden. Skyservices scheinen noch halbwegs ok, vor allem aber am kommunikativsten.

Avgas ist nicht mehr verfügbar. Jetfuel ist natürlich vorhanden, genauso wie Zoll (mit einem eigenen Büro auf dem West-Apron). Für den Transport vom Flughafen gibt es Linienbusse und Mietautos (beides allerdings nur ab dem Hauptterminal auf der Ostseite, d.h. dort muss man ggf. mit einem Taxi hinfahren, insofern nicht der Handling Agent so freundlich ist). Wenn man nur in die Stadt will, sollte man direkt ein Taxi nehmen (ruft der Handling-Agent); es kostet ins Stadtzentrum (Duomo) dank der geringen Distanz nur ca. 20 Euro. Auch Uber gibt es in Mailand.

Zu guter Letzt noch das leidige Thema Gebühren: Wie so oft an den italienischen Flughäfen hängen die Gebühren etwas von zwei Faktoren ab: Erstens vom MTOW (in angefangenen Tonnen) und zweitens von der Anzahl der Passagiere und zuletzt natürlich auch etwas vom gewählten Handling-Agent. Grob gesagt bezahlt man mindestens 200 Euro. Dazu kommen dann pro Passagier noch ca. 20 Euro. Aber wie gesagt: es hängt alles natürlich auch ein bisschen vom gewählten Handling-Agent ab; deshalb sollte man sich vorab 2-3 Angebote einholen. Letztlich ist der Platz also teuer, aber es ist dennoch ein schöner, zentraler Flughafen mit Airline- und Businessjetflair. Wenn man aus der Schweiz kommt und nach Mailand möchte, ist Linate wegen der nötigen Zollkontrolle möglicherweise die einzige Alternative, zumal für den Zoll kein PPR notwendig ist und der Zoll direkt am GAT zur Verfügung steht.

Milano-Malpensa (LIMC)

Info vorweg: VFR-Flüge sind in Malpensa nur für dort beheimatete Flugzeuge sowie für Helikopter erlaubt. Der Platz ist also de facto auf IFR-Flüge beschränkt!

Im Gegensatz zu Linate ist Malpensa, der zweite „große“ Flughafen im Raum Mailand, wahrlich kein Stadtflughafen, denn er liegt gute 30 km außerhalb (Richtung Nordwesten). Im Wesentlichen als Airline-Airport konzipiert, gibt es dennoch (im Gegensatz zu Rom-Fiumicino) ein GAT. Natürlich gibt es Handling-Pflicht. Es gibt auch hier mehrere verschiedene Handling-Agents (Kontaktdetails siehe AIP). Im Flugplan gibt man einfach unter RMK/ „Handling Agent A“ bzw. „B“, „C“, „D“, „E“ an.

Die Gebühren liegen bei ca. 350 Euro (z.B. Universal). Man sollte aber die Angebote der Handling-Agents schon mal genau vergleichen, da sie doch manchmal recht unterschiedlich sind. Die Anbindung an die Stadt ist aufgrund des regen Linienverkehrs natürlich sehr gut, allerdings ist es eben deutlich weiter bis nach Mailand. Dafür ist Malpensa für alle diejenigen der ideale Platz, die IFR landen möchten und deren Ziel Varese, der Lago di Varese, der südliche Lago Maggiore oder der Lago d’Orta ist. Eben wie gesagt leider strikt nur IFR. Bei Abflügen sind hier natürlich ACDM-Prozeduren zu befolgen.

Es gibt auch hier kein Avgas.

Bergamo-Orio al Serio (LIME)

Zwar liegt Bergamo nur schon wirklich einige Kilometer außerhalb Mailands, aufgrund dessen Lage direkt an der Autobahn und der guten Anbindung (Ryanair und Co. sei Dank) mit nicht allzu teuren Bussen direkt ins Zentrum von Mailand ist LIME aber dennoch grundsätzlich eine Alternative. Es ist auch VFR-Night möglich. Außerdem ist Bergamo etwas günstiger als Linate und Malpensa. Und: natürlich ist auch Bergamo eine sehr schöne Stadt, die man neben Mailand unbedingt auch besuchen sollte!

Vorweg: der Flughafen bestehen aus zwei Teilen; einem südlichen Hauptteil mit der großen Piste 10/28 sowie einem kleineren Teil ganz im Norden mit einer kleinen VFR-Piste (12/30). Auf letzterer ist der Aeroclub Bergamo mit seiner eigenen Avgas-Tankstelle, Flugwerft (Orio Air Service) und Clubrestaurant. ABER: diese beiden Teile sind NICHT durch Taxiways verbunden. Es sind so gesehen fast zwei eigene Flugplätze, aber dennoch mit nur einem ICAO-Indicator (LIME).

Früher einmal konnte man als VFR-GA-Flieger auch quasi als „Gast“ beim Aeroclub landen, dort seine Landegebühr zahlen, zu Mittag essen, etc. Das war ganz herrlich. Leider wurde das vor einigen Jahren weitgehend unterbunden. Es ist für Externe nur noch erlaubt, wenn man zu Wartungszwecken zu der Aeroclubwerft muss. Das ist schade, war es doch sehr viel günstiger, unbürokratischer und sympathischer war als auf der „großen“ Piste zu landen und dort „gehandelt“ werden zu müssen. Zumal es auf dem Hauptteil seit einigen Jahren kein Avgas mehr gibt! Wer nach Bergamo fliegt, bitte sich erneut eindringlich beim Aeroclub Bergamo informieren, unter welchen Bedingungen man ggf. doch auf der kleinen Piste landen und dort gastieren darf.

Auf dem Hauptteil des Flughafens unterliegt man leider wie üblich PPR und Handlingpflicht. Man sollte die in die AIP gelisteten Agenten kontaktieren und nach einem cost estimate fragen; in Summe muss man auch hier mittlerweile mit 200 Euro rechnen. In der Regel ist hier BGY International Services der richtige Ansprechpartner. Ansonsten hat der Airport natürlich alle Annehmlichkeiten eines großen Flughafens. Es gibt mittlerweile ein GAT, welches nördlich der Hauptpiste (aber eben noch auf dem „Südteil“ des Airports) liegt. Die Taxifahrt von dort in die Stadt ist sehr kurz.

Übrigens: wer in der Tat die Stadt Bergamo besuchen will und nicht unbedingt auf den Großflughafen Orio al Serio möchte, kann alternativ VFR auf dem Flugplatz Valbrembo (LILV) landen. Keine Landegebühr. Hangar vorhanden. Ein Taxi nach Bergamo kostet von dort ca. 35 Euro. Achtung: der Asphaltstreifen ist offiziell nur der Taxiway und somit eigentlich nicht für Start und Landung zugelassen. PPR holt man sich vom lokalen Segelflugclub. Mogas ist vorhanden; Avgas nicht.

Sonstiges

Im Mailänder Umland gibt es darüber hinaus noch ein paar Aviosuperfici/Campi di Volo, die in der Regel keinerlei Gebühren verlangen, es stellt sich aber dort immer wieder die Transportfrage nach Mailand. Außerdem steht mit Milano-Bresso wirklich auch für kleine Privatflieger (auch D-registrierte ULs, aber besser vorab klären!) eine wirklich exzellente und günstige Alternative zur Verfügung, so dass die Notwendigkeit, ins Mailander Umland auszuweichen, eigentlich nicht besteht. Dennoch seien noch folgende Plätze kurz genannt, die allerdings überwiegend nur über eher kurze Graspisten verfügen (genauere Informationen siehe Avioportolano):

Cassano d’Adda – Aviosuperficie Baialupo (ca. 30 km nordöstlich von Mailand)
Aviosuperficie Cogliate (ca. 25 km nordwestlich von Mailand)
Rosate – Aviosuperficie Rosangeles (ca. 20 km südwestlich von Mailand)
Cisliano – Volo Club Milano (ca. 15 km westlich von Mailand, nur für ULs zugelassen!)
Abbiategrasso – Aviosuperficie Albaiate (ca. 20 km westlich von Mailand)
Senago – Campo di Volo Groane e Cesare (ca. 12 km nordwestlich von Mailand, nur für ULs zugelassen!)