
Man kann durchaus verschiedener Meinung sein, ob nun die Seite des Golfs von Genua und des Tyrrhenischen Meers (also die Westseite) oder die Adriatische (=Ost)-Seite des Stiefels die schönere ist. Meine Meinung: Die Küsten der Westseite sind einfach etwas interessanter und abwechslungsreicher. Außerdem gibt es viel weniger Bausünden in Form von Bettenburgen, wodurch die Optik ansprechender ist. Allerdings ist insbesondere die Luftraumstruktur für VFR-Piloten dort auch eher etwas anspruchsvoller als auf der Adriaseite.
In diesem Abschnitt sollen alle für die GA nutzbaren Plätze vorgestellt sein, die sich entlang der italienischen Westküste anbieten, geordnet von Norden (dem Golf von Genua) nach Süden, dem Tyrrhenischen Meer. Ausgenommen sind lediglich die Plätze von Rom, Neapel / dem Raum Salerno und den Küstenteilen der westlichen Toskana (inkl. Massa-Cinquale), da diese in jeweils anderen Abschnitten detailliert behandelt werden.
Albenga-Villanova – Riviera Airport (LIMG)
Der einzige Flugplatz (ein reiner GA-Flughafen) an der Riviera di Ponente, also dem Küstenabschnitt zwischen Genua und der französischen Grenze. Der Platz liegt leicht im bergigen Hinterland der Küste und ist daher auch aufgrund der manchmal schwierigen Windverhältnisse unter Umstanden etwas anspruchsvoll (Turbulenzen möglich, insbesondere bei Winden aus nördlichen Richtungen). Es gibt zwar LOC- und RNP-Anflüge; diese haben aber sehr hohe Minima.
Es ist kein PPR erforderlich (eine Anmeldung über die Website führt nur dazu, dass der Flugplatz dann eben vorab eine Info hat) und es gibt Jetfuel, Avgas 100LL und – in Italien bisher eine Seltenheit – auch Avgas UL91! Stets sehr freundliches Personal. Außerdem auch Zoll (Benachrichtigung 3 Stunden vorab, die hier allerdings auch alleine durch die Aufgabe des Flugplans erfolgt). Der Platz ist abgesehen von den mittlerweile ebenfalls recht stattlichen Kosten wirklich eine Freude; da sieht man mal, was geht, wenn ein Flughafen keinen Linienverkehr hat. Zwar parken Kolbenflugzeuge mittlerweile – außer wenn in der Nebensaison wirklich gar nichts los ist – stets auf Gras, dieses ist aber meist sehr gut gepflegt und fest. Und Platz ist dort auch in der Hauptsaison immer genug, so dass es auch praktisch nie PPR-NOTAMs gibt.
Die Gegend ist in jedem Fall ein ideales Ziel, wenn man mal eben dem mitteleuropäischen Winter entfliehen will, da man hier an der Riviera di Ponente (ähnlich wie an der Côte d’Azur) die Tageshöchsttemperaturen praktisch nie unter 13-14 Grad liegen und meistens sehr viel Sonnenschein hat. Auch im Frühling und Herbst ist dieses Ziel super. Im Hochsommer würde ich die Ligurische Küste aber unbedingt meiden.
Die Gebühren hängen stark vom MTOW und der Anzahl der der Passagiere ab; ein Zweitonner mit zwei Passagieren bezahlt inklusive einer Übernachtung ca. 100 Euro. Ein Eintonner mit einem Passagier an Bord kostet z.B. nur ca. 60 Euro.
Avgas 100LL ist preislich für italienische Verhältnisse normal, aber natürlich etwas teurer als im nahen Cannes. Außerdem gibt es hier am Platz wie gesagt seit Ende 2025 Avgas UL91 (dafür aber eben kein Mogas mehr). Das mineralölsteuerbefreite Tanken (bei Ausflug aus der EU, z.B. der Schweiz) funktioniert hier leider (zumindest bei Privatflug) gar nicht mehr – man bezahlt immer den vollen Preis. Außerdem gibt es stets eine (kleine) Betankungspauschale, so dass bei sehr kleiner Tankmenge der Literpreis entsprechend hoch ist.
Im Terminal gibt es eine kleine Bar, wo man auch Panini etc. essen kann. Mehr nicht.
Leider gibt es direkt am Platz per se keine Mietwagen. Mit dem Taxi ist man allerdings in gut 10 Minuten (8 km) in Alassio, einem der wenigen Orte mit langem Sandstrand in Ligurien. Auch ansonsten ist Alassio recht hübsch und kann daher (außer im Juli und August) empfohlen werden. In Alassio habe ich mehrfach gut im Ristorante „Barcalà Mare“ gegessen (an der Promenade, ganz in der Nähe der Seebrücke). Außerdem auch im 50 Meter davon entfernten „Il Veliero Amabile“ (sardisch geführt).
Die Stadt Albenga selbst (ebenfalls ca. 8 km Distanz vom Platz) ist per se optisch von außen erstmal keine besonders schöne Stadt. Und auch der Strand ist eher steinig und somit nicht so sehr schön. Dafür gibt es hier eine hübsche Altstadt mit lauschigen Gassen und Plätzen.
Meist wartet ein Taxi direkt am Flugplatz. Falls einmal nicht, kann man sich eins vom Flugplatzpersonal rufen lassen. Wenn man sich vorab schon verabreden möchte, hier die Telefonnummer: 0039 3358172177 (Giovanni Capiello). Letzterer spricht auch etwas Englisch; er hat ein eigenes kleines „Büro“ am Flugplatz und ist hier quasi stationiert. Die Fahrt nach Alassio oder Albenga kostet (einfach) knackige 30-35 Euro. In Alassio gibt es Hertz bzw. Dollar (Tel. 0039 0182648242; Mail: hertzalassio@libero.it), die allerdings nicht sehr viele Autos haben, und daher in der Saison manchmal keins anbieten können. In Albenga gibt es mehrere Möglichkeiten, ein Auto zu leihen.
Mit dem Mietwagen kann man in Richtung Nordosten viele weitere schöne ligurische Küstenorte in 30-45 Minuten Autobahn erreichen: Loano (Altstadt und großem Sporthafen), Finale Ligure (Altstadt und Promenade) und vor allem Noli (Altstadt, Gesamtszenerie). In Noli ist das „Vittoria“ für mittags ein gutes Strandrestaurant mit schöner Terrasse. Bis nach Genua fährt man ca. eineinhalb Stunden. Vom Flugplatz in Richtung Südwesten hingegen ist das kleine Altstädtchen von Cervo sehr nett. Bis nach zur Grenze nach Ventimiglia und das französische Menton (sehr nett) fährt man ca. eine Stunde.
Tipp zum IFR-Abflug: hier sollte man (zumindest mit SEP) versuchen, die SID Richtung Genua zu filen, weil diese einen nicht allzu weit auf das offene Meer herausführt. Ist das nicht möglich, sollte man ggf. „Zulu“ filen und das erste Stück VFR entlang der Küste fliegen.
Genua-Sestri (LIMJ)
Der Flughafen der Hafenstadt Genua. Es gibt die komplette Infrastruktur eines Großflughafens inkl. weitgehendem H24-Betrieb; private GA-Flüge dürfen lediglich zwischen 1:00h und 5:30h morgens nicht fliegen. Allerdings ist für Flächenflugzeuge leider kein VFR-Nachtflug erlaubt. Auch dieser Platz ist PPR (egal ob man parken möchte oder nicht); dies erfolgt über eine Mail an das flugplatzeigene Handlingpersonal und den „Duty-Manager (siehe AIP), welcher aber meist innerhalb von wenigen Minuten antwortet. Probleme gibt es mit dem Parken eher selten; definitiv aber während des Grand Prix von Monaco, der Filmfestspiele von Cannes und teilweise im Hochsommer. Allerdings werden im PPR-Antrag eine ganze Reihe von Infos zu dem Flug erbeten. Man muss auch eine Kreditkarte angeben, auch wenn es meines Wissens hier zum Glück keine Cancellation Fees gibt. Es gibt eine General Aviation-Sektion der Website des Airports, die die Gebührentabelle, das PPR-Formular, etc. enthält.
Thema Gebühren: aufgrund zahlreicher Gebühren kommt man hier meist auf ca. 200 Euro. Zwei kleine Tipps dazu: Wenn man sich clever verhält, muss man bei zwei Piloten an Bord für den zweiten keine Passagiergebühr bezahlen (kostet sonst 20 Euro extra). Außerdem sollte man darauf achten, dass auf der Rechnung keine Gebühr für „Towing“ oder „Pushback“ steht. Kleine SEPs und MEPs dürfen zwar in Genua selbständig rangieren; trotzdem sollte man das auf der Rechnung kontrollieren. Meist werden SEPs und kleine MEPs ohnehin auf den Parkpositionen 310-313 (direkt vor dem Sheraton-Hotel) untergebracht, wo man selbst rangieren kann. Nicht herum kommt man allerdings um die Marshalling-Gebühr. Zweitens: Parken ist günstig.
Kompensiert werden die etwas hohen Gebühren etwas durch das hier meist recht günstige Avgas (gibt’s an einer BP-Tankstelle auf der Westseite des nördlichen Aprons). Hierfür soll man laut AIP vorab BP separat avisieren, aber ich weiß nicht, inwiefern das hilft. Es kann so oder so zu Verzögerungen kommen, denn man braucht Personal zum Tanken, und die kümmern sich natürlich prioritär um Airliner.
Der Anflug ist interessant, da sich der Platz auf einer Landzunge im Hafen von Sestri befindet. In aller Regel wird die Piste 28 genutzt; das ist wirklich einzigartig. Aber der Anflug auf die 10 ist letztlich fast genauso schön. Die Anfluglotsen von Genua haben den Ruf, die besten und GA-freundlichsten Italiens zu sein. Nahezu jedwede Anfrage versucht man zu genehmigen und das alles in freundlichem Ton.
Man wird nach dem Parken mit einem Van abgeholt und zügig durch das sehr kompakte Terminal geschleust. Es gibt keinerlei GAT.
Was die weitere Logistik vor Ort angeht, so hat man mehrere Möglichkeiten. Ein Taxi in die City von Genua kostet ca. 30 Euro. Meist lohnt sich aber der „Volabus“, welcher direkt vom Ankunftsterminal im 40-Minuten-Rhythmus an fünf verschiedene Punkte in der City fährt. Kosten: 6 Euro pro Person, 13 Euro für 3 Personen. Ansonsten kann man am direkt im Terminal auch für eher wenig Geld Mietwagen bekommen (am besten natürlich mit Vorbestellung). Der Flughafen hat quasi eine eigene Autobahnauffahrt, was angenehm ist.
Die Stadt Genua ist schon etwas chaotisch und „rough“. Insbesondere der eigentlich reizvolle Hafen (mit dem berühmten Aquarium, viele Booten, Restaurants, etc.) ist leider durch eine auf Stelzen quer durch die Stadt verlaufende, laute und hässliche Schnellstraße verhunzt. Die dahinter befindlichen Teile der City befindlichen Piazzen, Paläste, Parks und Straßen sind aber teilweise recht sehenswert. Die Altstadt Genuas ist die größte Europas. Mittelpunkt von allem ist die beeindruckende Piazza de Ferrari.
Der Flughafen Genua ist außerdem auch so ziemlich der einzige Platz der Wahl, wenn man an die schönen Orte der Riviera Levante, also der Küste östlich von Genua will. Hervorzuheben ist hier insbesondere Camogli (25km östlich des Platzes), ein wunderschöner Ort mit pittoreskem Hafen und Strand. Auch Santa Margherita Ligure und Portofino (30 km östlich von Genua), Sestri Levante (45 km östlich von Genua) und natürlich die Orte der Cinque Terre (80 km östlich von Genua) kann man gut erreichen. Zu empfehlen sind diese Ausflüge allesamt aber auch mit dem Zug ab dem Hauptbahnhof von Genua; das ist günstig und recht entspannt (keine Parkprobleme). Unbedingt meiden sollte man für solche Ausflüge allerdings die Haupt-Tourismus-Saison. Insbesondere Portofino und die Cinque Terre laufen im Sommer nämlich schier über.
Für den Abflug gibt es einen „Meeting Point“ im Terminal. Einfach ein paar Minuten vorher beim Handling anrufen und dann kommt jemand dorthin und geleitet erneut zügig durch die Kontrollen und verbringt die Crew zum Ops-Büro zum Bezahlen. Danach geht es wieder per Van zum Flieger. Ein Tipp noch: bei IFT-Abflügen in Richtung Norden wird man zunächst durch das Verfahren zunächst in die falsche Richtung (nach Süden, also auf das offene Meer) geführt. Hier sollte man, wenn es das Wetter erlaubt, ggf. eher „Zulu“ filen (Pickup z.B. bei VOG) und zunächst VFR über den Passo dei Giovi rausgehen.
Sarzana-Luni (LIQW)
Der ca. 10 km südöstlich von La Spezia (also genau an der Grenze zwischen Ligurien und der Toskana) gelegene vorwiegend militärische Flugplatz Sarzana (LIQW), ist leider nur etwas beschränkt für die Allgemeine Luftfahrt nutzbar. Es gibt aber zumindest einen örtlichen Aeroclub, der dort auf kleiner Flamme Luftsport betreibt und langsam den zivilen Flugbetrieb ausbaut. Er betreibt auch eine kleine PPL-Flugschule.
Grundsätzlich eignet sich der Platz von seiner Lage her insbesondere für diejenigen, die Richtung Forte dei Marmi/Viareggio wollen, denen aber die Piste von Massa-Cinquale zu kurz und zu steinig ist (abgesehen davon dass KILQ mittlerweile auch teuer ist); außerdem sind von hier aus La Spezia, Lerici, Carrara oder Portovenere in Kürze erreichbar (wobei La Spezia eher weniger sehenswert ist). Leider keine Non-EU-Flüge möglich.
Hier zunächst die Kontaktdaten des Aeroclubs, an den man sich für eine Landebewilligung wenden muss:
Aeroclub Lunense
Tel.: 0039 0187 673180
Fax: 0039 0187 029078
E-mail: aeroclubsarzana@tiscali.it
Es ist nämlich so: mindestens eine Woche vor dem geplanten Flug muss man die Flugzeugpapiere (Lufttüchtigkeitszeugnis, Eintragung, Versicherung) und Pilotendokumente + Ausweis als pdf einreichen und formal Mitglied werden. Das kostet für ein Kalenderjahr 100 Euro. Dazu muss man den jeden Flug anmelden (48h vorher, weil die Genehmigung des Militärs erforderlich ist) und noch mal 15 Euro für die Landung (bis 2 Tonnen) zahlen. Non-Schengen ist nicht möglich, aber Schweiz-Flüge mit gesonderter Voranmeldung beim Zoll schon.
Die größte Einschränkung: der Aeroclub (und somit der Feuerwehrdienst) ist grundsätzlich nur mittwochs, samstags und sonntags da. Wer an anderen Tagen fliegen möchte, muss den entsprechenden Feuerwehrdienst gesondert vorab aktivieren und teuer bezahlen.
Natürlich hilft es für den bürokratischen Teil, wenn man auf Italienisch kommunizieren kann, aber irgendwie kommt das Clubpersonal wohl auch mit Englisch klar. Das Aeroclub-Vorfeld liegt nordöstlich der Piste, mit einem Tor abgetrennt. Man kann (weil man dann ja dann Mitglied ist) auch Avgas 100LL (ca. 3€/l) bekommen. (Jetfuel gibt es nicht). Der Aeroclub hat eine Warrior und eine TB9, fliegt aber nur wenig. Dafür gibt es ein riesiges Aeroclub-Restaurant in schöner Gartenanlage. Also: wer einige Tage in der Gegend Urlaub machen will, für den ist der Platz eine gute Option und letztlich nicht zu teuer, vor allem wenn man mehrere Male im Jahr kommt. Auf Wunsch hilft der Club auch beim Organisieren eines Mietwagens.
Luftsperrgebiete bei La Spezia / Cinque Terre
In jedem Fall wichtig, wenn man in dieser Gegend der Küste entlang fliegt, ist, auf die Luftserrgebiete LI-P2 und LI-P3 zu achten. Beide sind relativ große, dreieckige Gebiete, die den Weg direkt entlang der Küste und auch den Überflug der Cinque Terre leider ziemlich versperren. Man muss entweder etwas landeinwärts fliegen oder ein ganzes Stück auf das Meer hinausgehen.
Cecina (LIQG)
Dieses Aviosuperficie liegt zwischen Livorno und Piombino und hat eine 1000 Meter lange, relativ gute Graspiste. Er ist zwar von einer LI-R umgeben; die einzige Einflugbedingung ist allerdings, dass man vorher auf der 130,0 ruft und sicherstellt, dass aktuell kein Fallschirmsprung stattfindet. Keine Landegebühr; es wird lediglich um Registrierung des Flugs beim „C“ des Clubhauses gebeten.
300 Meter vom Platz gibt es ein gutes Restaurant mit Pizza („Il Cedrino“). 300 Meter vom Platz gibt es ein gutes Restaurant mit Pizza („Il Cedrino“). Am Platz gibt es eher wenig Infrastruktur; es bietet sich allerdings meist ein Mitglied an, Gäste in die Stadt oder an den Strand zu fahren. Außerdem gibt es Fahrräder zu leihen. Ein „Highlight“ der Gegend ist der ca. 8 Kilometer nördlich gelegene Strand von Vada, auch „die Karibik Italiens“ genannt, denn praktisch nirgendwo anders in Italien gibt es so weißen Strand und so türkisblaues Wasser (wenige Meter landeinwärts stört allerdings eine große Chemieanlage, die für den hellweißen Sand des hiesigen Strands verantwortlich ist.). Dennoch sehr zu empfehlen. Das Taxi vom Flugplatz zum Strand der o.g. Bucht kostet verständlicherweise ca. 30-40 Euro (z.B. Tel. 00393392042455). Aber dafür gibt es in Cecina ja keine Landegebühren. Nach Cecina Mare kostet es ca. 20 Euro. Dort sehr empfohlen wird das familiengeführte Fischrestaurant „El Faro“. Nach Cecina Paese (die landseitige Stadt) sind es nur ca. 3 Kilometer. Dort empfehle ich die Osteria „Le Chiacchiere“.
Weitere Infos natürlich im Avioportolano. Für telefonische Infos auf Englisch kann man das Mitglied Corrado Barghigiani unter der Nummer 0039 335 1236720 kontaktieren.
Aliscarlino (LIQY)
Dieser 2011 eröffnete Flugplatz (Aviosuperficie) liegt auf dem Gebiet des Städtchens Scarlino (Provinz Grosseto); darüber hinaus aber vor allem nicht weit vom Meer (2,5 km) und vom Strandort Follonica. Auch diese Gegend der Toskana ist bei den Deutschen sehr beliebt; nur 15 Kilometer landeinwärts liegt das schöne Bergstädtchen Massa Marittima. Die Piste von Aliscarlino ist 650 Meter lang, mit gewissen Hindernissen an beiden Anflugenden, vor allem eine Stromleitung an der Schwelle der 25. Dazu manchmal umlaufende Winde. Der An- und Abflug ist auch noch aus weiteren Gründen etwas tricky, weshalb auch ein telefonisches Briefing gefordert wird. Es gibt einen über 600 Fuß hohen Industrieturm mitten in der Platzrunde; und direkt westlich des Platzes gibt es ein kleineres Naturschutzgebiet. An- und Abflug immer von/Richtung Norden, um auch der CTR von Grosseto auszuweichen. Am Platz ist es aber sehr entspannt und freundlich. Der Eigentümer des Platzes (Claudio) spricht leider praktisch nur Italienisch; der Betreiber heißt Paolo. Briefing vorab notwendig. Claudio kocht auch leidenschaftlich gerne für Gäste. Ein Taxi nach Follonica (wo man auch Mietwagen bekommen kann) kostet ca. 25 Euro.
Castiglione della Pescaia / Punta Ala
Wir sind nur ein paar Kilometer südlich, noch immer in der Provinz Grosseto. Das Aviosuperficie Punta Ala in Castiglione della Pescaia liegt innerhalb der CTR von Grosseto; da man aber in der Gegend eigentlich ohnehin immer mit Grosseto funkt, ist das kein großes Hindernis. Der Platz liegt außerdem nur ein paar Kilometer von der landschaftlich reizvollen „Punta Ala“ entfernt. Diese hat den größten Yachthafen des Tyrrhenischen Meers und einen sehr renommierten Golfclub. Außerdem gibt es nur ca. 150 Meter entfernt auch ein Restaurant („Da Bruno“), sowie direkt am Platz auch eine „Merenderia“, also ein gemütlicher Imbiss. Die Piste ist landschaftlich sehr schön gelegen, aber – obwohl 800 Meter lang – wegen Hindernissen und Gefälle ziemlich anspruchsvoll; man könnte auch sagen: nicht ungefährlich. Direkt an der westlichen Schwelle gibt es eine kapitale Hochspannungsleitung. Auch der Zustand der Bahn lässt zu mancher Jahreszeit etwas zu wünschen übrig. Keine Landegebühr. Eine lokale Taxinummer: 3355442269.
Orbetello – Costa d’Argento
Dieses Aviosuperficie liegt am Rande des Städtchens Orbetello, welches wiederum das Eingangstor zur Halbinsel Monte Argentario ist. Daher ist dieser Flugplatz ein sehr guter Ausgangspunkt für die Erkundung dieses Küstenabschnitts des südlichen Teils der Provinz Grosseto. Die Graspiste ist 780 Meter lang (mit hindernisfreien Anflügen). Es ist natürlich vorab eine Landeerlaubnis vom Betreiber nötig, der „Skydive Costa d’Argento“. Im An- und Abflug auf das Naturschutzgebiet bis 1500 Fuß achten. Der Platz wird im Sommer vor allem stark von Fallschirmspringern genutzt. Er hat eine strategisch günstige Lage und ist außerdem eine halbwegs passable Alternative für einen Besuch der Stadt Grosseto. Der Bodentransport muss aber in jedem Fall individuell geklärt werden; der Platz ist nicht an den ÖPNV o.ä. angebunden.
Tarquinia San Giorgio
Etwas nördlich von Civitavecchia noch ein weiterer Tipp für UL-Flieger: die Piste San Giorgio ist wirklich direkt am Strand gelegen, der hier allerdings nicht so besonders schön ist. Vom Abstellplatz zur Badestelle sind es aber nur 150 Meter! Die Piste ist 413 Meter lang. Hinweise zum Anflug etc. finden sich hier, allerdings leider nur auf Italienisch.
Santa Severa Nord – Monti della Tolfa
Zwischen Civitavecchia und Rom gibt es nicht weit vom Meer am noch dieses Aviosuperficie. Hier ist stets schriftliches PPR gewünscht (siehe die Website des Platzes). Die Piste wurde 2021 verlängert und ist nun ca. 800 Meter lang. Ein paar hundert Meter vor der Schwelle der 12 gibt es eine Hochspannungsleitung. Beim Start auf der 30 soll man die Ortschaft Santa Severa Nord umfliegen. Unbedingt die LI P-128 sowie auch LI R-14 direkt südlich des Platzes meiden. Es gibt ein kleines, hübsches Restaurant am Platz. Außerdem eine Flugschule. Bis an den Strand (in Santa Severa) sind es gute zwei Kilometer. Es ist ein normaler kleiner Strandort, an dessen Südrand allerdings gibt es direkt a Wasser eine alte Burg und einen antiken Hafen als Sehenswürdigkeit. Nicht weit vom Flugplatz ist ein Bahnhof, von wo man direkt und in knapp über einer Stunde nach Rom fahren kann.
Nettuno – Ali Nettuno
Dieser Platz (Aviosuperficie) liegt ca. auf halber Strecke zwischen Rom und Neapel und zwar genau gesagt ein paar Kilometer nördlich der Küstenstädte Anzio und Nettuno. Die Piste ist ein 560 Meter langer Asphaltstreifen plus einer ca. 180 Meter langen Grasverlängerung. Es gibt allerdings offiziell keinerlei Tankstelle am Platz. Achtung: den Platz nicht mit einem weiteren Platz bei Nettuno („Arma“) verwechseln, welcher zwei Kilometer südöstlich liegt! Von Anzio aus kann man z.B. Fähren auf die schöne Insel Ponza nehmen.
Sabaudia (LISB)
Nicht weit südlich von Nettuno liegt – besonders schön am Rande des naturbelassenen Nationalparks Circeo gelegen – das Aviosuperficie Sabaudia. Zum Strand und in das Städtchen Sabaudia sind es allerdings ein paar Kilometer. Die Stadt ist übrigens nicht von der typischen malerischen Art, denn Sabaudia ist in den Dreißiger Jahren als Retortenstadt unter den Faschisten entstanden – streng im Schachbrettmuster, was aber für geschichtlich Interessierte auch mal sehenswert ist. Der Strand (mit Blick auf den Monte Circeo im Süden) ist aber ganz nett und nicht zu sehr zugebaut wie andernorts. Wer einen „gewachseneren“ Ort sehen möchte, sollte nicht nach Sabaudia, sondern nach San Felice Circeo oder gar nach Terracina fahren. Tipp: von Terracina aus die Fähre auf die Insel Ponza nehmen.
Mit PPR wird es hier recht genau genommen; man soll dazu vorher ein langes Briefing auf der Website lesen und dann online das PPR beantragen. Aufgrund der Luftraumstruktur relativ komplizierter Anflug, der auch stets in 1000 Fuß geflogen werden muss. In der Umgebung des Platzes liegt ein Naturreservat, das nur bedingt überflogen werden soll. Außerdem ist die Piste zwar immerhin 600 Meter lang, an beiden Seiten endet sie aber unmittelbar in einen Graben. Dazu manchmal schwierige Winde. Dennoch bin hier bereits einmal im Sommer mit vier großen Kerlen mit der SR22 rein und raus. Es gibt Avgas, Mogas und auf besondere Anfrage auch Jet von einer richtigen Zapfsäule; allerdings werden nur geringe Mengen unter der „emergency fuel“-Konzession abgegeben. Ansonsten muss man eine Kurzmitgliedschaft abschließen. Die Erfahrungen hier sind insgesamt gemischt; viele berichten von freundlichem Empfang. Landen und über Nacht zu Parken ist aus unerfindlichen Gründen teuer; überhaupt ist das Geschäftsgebaren mit den Gebühren teilweise etwas abenteuerlich – bitte vorher Preise einholen und dann entscheiden.
Scalea (LICK) (derzeit leider geschlossen)
[ACHTUNG: Hier gibt es seit Frühjahr 2023 politische Scharmützel, wie sie in Süditalien leider häufig sind. Formell wurde der Platz im Frühjahr 2024 erstmal von der kommunalen Verwaltung geschlossen und es sieht nicht danach aus, dass der Platz sehr bald wieder eröffnen wird, auch wenn der Betreiber weiter lautstark (facebook) darum kämpft. Auch in Skydemon ist der Platz nun gar nicht mehr verzeichnet. Das ist sehr schade, war Scalea doch jahrelang eine gute Tankgelegenheit in einer sonst vor allem mit Avgas sehr schlecht versorgten Gegend. In der Hoffnung, dass es vielleicht in den kommenden Jahren wieder Flugbetrieb geben wird, bleiben die folgenden Infos hier stehen.]
In Süditalien verringert sich die Flugplatzdichte (auch die der Aviosuperfici) doch recht erheblich. Der nächste Stopp direkt am Meer (abgesehen von Neapel und Salerno, siehe „Neapel/Kampanien“) liegt dann bereits im Norden Kalabriens, am Golf von Policastro. Dieses Aviosuperficie ist das Ergebnis eines (weitgehend gescheiterten) Projekts, hier einen kleinen Flughafen regionaler Bedeutung hochzuziehen und wurde daher vor einigen Jahren ausgebaut, so dass es eine lange Asphaltpiste, großzügige Abstellflächen und auch Jet, Avgas und sogar Mogas gibt (wg. Tanken am Besten vorher kurz anmelden). Er wird trotz seiner Größe eher wie ein kleiner Landeplatz mit privater Führung betrieben. Insbesondere die Verfügbarkeit von Avgas (und auch Mogas) macht diesen Platz auf einer Süditalientour eine gute Option, da die Versorgung in dieser Gegend ansonsten ja sehr mäßig ist. Gebühren allerdings mit ca. 40 Euro alleine schon für die Landung eines Zweitonners für diesen verkehrsarmen Platz etwas hoch. Parken über Nacht mindestens genau so teuer! Aber das Personal (Alberto) ist stets sehr bemüht und freut sich über Besucher. Es sei hier die Empfehlung für das nahe Agriturismo „Orsomarso“ weitergegeben. Nah am Platz gibt es auch das Resort Hotel La Bruca. Die Preise hier in Kalabrien sind erfrischend moderat. Man wird vom Personal auch zum Essen und zum Übernachten in nahe gelegene Restaurants oder Agriturismos gefahren. Auch ein Leihauto organsiert man auf Wunsch. Das sehenswerteste Städtchen der Gegend ist wohl Diamante (gute 10 km südlich).
Lamezia Terme (LICA)
Der Verkehrsflughafen der mittelkalabrischen Stadt Lamezia Terme hat für Privatpiloten eher wenig zu bieten; er ist eher auf Linienverkehr und Frachtverkehr ausgerichtet, hat für die GA PPR- und Handlingpflicht. Siehe: www.sacal.it (SACAL ist wohl etwas weniger teuer als Aviapartner) und auch kein Avgas. Funktioniert trotzdem passabel ohne allzu große Zeitverluste. Ein „GAT“ o.ä. gibt es aber nicht. Für IFR-Flieger: es gibt kein Radar, daher sind Instrumentenanflüge immer etwas lang und umständlich – meist lohnt sich ein Visual. Der Platz ist (sofern man kurze Graspisten nicht mag) die beste Alternative, wenn man ins schöne Tropea (allerdings dennoch reichliche 50 Kilometer südlich) möchte. Es gibt Mietautos aller Couleur; man sollte am besten vorbestellen, das ist deutlich günstiger. Tropea ist wirklich ein Highlight Süditaliens; als Städtchen, aber auch für den Badeurlaub. Gemäß Trip-Advisor Ranking ist der Strand von Tropea auf Platz 23 der schönsten Strände Europas.
Ali Calabria (Tropea)
Wer UL fliegt und mit kurzen Pisten klarkommt, sollte wenn er in Kalabrien unterwegs ist diesen Platz in Erwägung ziehen, denn er liegt nur knappe 10 Kilometer von der schönen mittelalterlichen Stadt Tropea entfernt. Diese liegt auf einem ca. 80 Meter hohen Felsen über dem glasklaren Meer und unterhalb der schönen Altstadt liegt ein feiner Sandstrand. Tropea zählt aufgrund seiner Lage und der gut erhaltenen Altstadt zu den beliebtesten Urlaubszielen Kalabriens und den schönsten Orten der italienischen Mittelmeerküste. Leider ist der Hype in den letzten Jahren schon ein bisschen zu groß geworden, was nun für riesige Touristenmengen sorgt. Die Piste des UL-Vereins „Ali Calabria“ ist knappe 500 Meter lang und hat zwei Prozent Steigung. Keine Landegebühren. Unterkunftsmöglichkeit am Platz.
Info: Direkt nebenan (eine Meile nördlich) gibt es noch einen weiteren Flugplatz – „Il Grifo“. Auch dessen Bahn ist aber ähnlich kurz und ebenfalls nur als Campo di Volo zugelassen.
Reggio Calabria (LICR)
Dieser Flughafen im äußersten Südwesten Kalabriens (sprich auf der Fußspitze des Stiefels) ist bei Privatpiloten auf Italientouren vergleichsweise beliebt, da er gebührentechnisch noch halbwegs im Rahmen ist (ca. 80-100 Euro inkl. Handling und einer Nacht Parken; reine Tankstopps kosten weniger) und vor allem, da es neben Zoll auch (wenn auch recht teuer) Avgas gibt. Lediglich das Tanken und Bezahlen der Gebühren (an insgesamt drei Stellen!) ist ein bisschen langwierig. Es gibt eine Bar am Platz, wo man auch etwas Kleines essen kann.
Da außerdem Sizilien keinerlei solch eher unkomplizierten Flughafen zu bieten hat, ziehen es einige vor, in Reggio Calabria zu landen und dann mit der Fähre die Meerenge von Messina Richtung Sizilien zu kreuzen, was durchaus auch seinen Reiz hat. Also: zu empfehlen. Die Gegend kann allerdings häufig ein bisschen windig und daher im Anflug etwas bockig sein, vor allem bei Nordwind. Außerdem darf der Platz auch bei IFR-Flügen nur bei VFR-Bedingungen genutzt werden; Special VFR ist aber möglich. Kein Nacht-VFR. In der Tat: auch hier gibt es mittlerweile ein „Airport-Briefing“; das für Privatflieger aber „nur“ empfohlen wird. Siehe: www.sacal.it. Der Platz ist natürlich PPR, über ein entsprechendes Formular.
In der Stadt Reggio Calabria wird als Unterkunft das „Al Castello Luxury Bed ’n Breakfast“ empfohlen. Die Stadt hat ein paar recht sehenswerte Ecken, ist sonst aber etwas chaotisch und teils ungepflegt. Ein lohnenswerter Ausflug von der Stadt Reggio aus ist (vorzugsweise mit dem Zug) der nach Scilla, ca. 25 Kilometer nördlich.
