Flugvorbereitung – Flugdurchführung – Flugziele

Forte dei Marmi / Flugplatz Massa-Cinquale

Dies war seinerzeit (und ist es in gewisser Form immer noch) eines meiner regelmäßigen Lieblingsziele in Italien, also der Edelstrandort Forte dei Marmi in der nordwestlichen Toskana (Versilia). Glücklicherweise befindet sich nur ein paar Kilometer nördlich des Ortes ein – abgesehen vom steinigen Zustand der recht kurzen Piste – sehr schöner Flugplatz: Massa-Cinquale (LILQ), mittlerweile auch als „Aeroporto dei Marmi“ vermarktet. 30 Kilometer nördlich liegt La Spezia, 40 Kilometer südlich liegt Pisa. Eingerahmt ist der Platz von den Apuanischen Alpen, die ca. 2000 Meter hoch sind. Auch direkt in Platzumgebung gibt es Pinien, schöne Villen und natürlich den Strand. Zumindest vom Anflug her und atmosphärisch ist es einer der schönsten Flugplätze Italiens.

Forte dei Marmi

Der Platz ist grundsätzlich täglich geöffnet und es gibt offiziell keine PPR-Regelung; man sollte man sich am besten vor dem Abflug beim Betreiber (das ist nicht mehr der lokale Aeroclub) anmelden. Das ist nunmehr die „Truestar Real Estate SA“. ULs jeder Art dürfen hier offiziell fliegen.

Seit Anfang 2025 gibt es eine ATZ rund um den Platz. Gefunkt wird nach Blindmeldeverfahren, was die Italiener „TIBA“ nennen (siehe AIP ENR 2.2). De facto wird aber vom Personal am Platz auch ein normaler Radio Service (auch mit etwas Englisch) angeboten.

Der Anflug ist wunderschön und problemlos; der Platz liegt nur ca. 300 Meter vom superbreiten Sandstrand entfernt, herrlich in Wäldern eingebettet. Ca. 50-100 Meter vor beiden Pistenanfängen entfernt gibt es einige sind einige ca. 10-15 Meter hohe Bäume zu überfliegen; entsprechend etwas versetzt sind die Schwellen. In aller Regel wird die Piste 23 benutzt.

Die Bahn ist insgesamt, also wirklich von Zaun zu Zaun, 800 Meter lang, aber eben an beiden Enden mit versetzten Schwellen, so dass deutlich weniger TORA/LDA ausgewiesen ist. Der große Nachteil ist nicht unbedingt die relativ kurze Piste, sondern deren Zustand. Der Boden ist feiner Kieselboden und es gibt keine durchgehende Grasdecke. Bei Rollen, Start und Landung sollte man etwas aufpassen auf den Prop, etc. Es gibt aber in der Regel keine Löcher o.ä. Noch mehr der parallele Taxiway ist steinig und auch schmal; wer es vorzieht, kann einen Backtrack direkt auf der Piste machen (für Maschinen mit mehr als 11 Metern Spannweite ohnehin die einzige erlaubte Wahl). Dennoch: ich war wie gesagt schon oft hier und habe mir noch nie irgendwas kaputt gemacht.

Avgas 100LL ist vorhanden und Tage die Woche verfügbar. Die Tanke ist seit 2024 von BP; die Preise sind ok, also eher einen Tick unter dem deutschen Niveau. Auch Jetfuel ist problemlos verfügbar. Wegen der eher kurzen Piste sollte man hier aber generell eher nicht so viel tanken.

Das Restaurant am Platz ist bereits seit einigen Jahren leider dauerhaft geschlossen. Lediglich eine Flasche Wasser bekommt man im Betriebsbüro kostenlos angeboten.

Die Gebühren sind allerdings mittlerweile nur noch als überhöht zu bezeichnen; eine reine Landung kostet mit einem Zweitonner schon 54 Euro und die Parkgebühren sind mit 26 Euro pro Nacht auch nicht ganz billig. Man hat also bei einem Overnight schon 80 Euro auf der Uhr, was für diesen Platz schon etwas viel ist. Maschinen unter 600 bzw. unter 1000 kg bezahlen bei der Landung aber etwas weniger.

Folgendes noch: je nach Jahreszeit verlieren die umliegenden Bäume und Pflanzen hier viel kleine Dornen. Für dünne UL-Reifen können die zum Verhängnis werden, daher haben dieser hier öfter mal nach der Landung einen Platten. Für die Reifen von E-Klasse Maschinen, etc. ist das aber eher kein Problem. Trotzdem sollte man insbesondere das Rollen und Parken in der Nähe der Bäume vermeiden.

Alles in allem ist dies ein toller Platz, ideal auch als kurzer Badestop. Abzüge gibt es wie gesagt nur wegen der relativ kurzen Piste, der Bäume, der schlechten Piste und den Gebühren.

Routen- und Flugplanungstipps

Von Norditalien kommend gibt es im Wesentlichten drei Wege, um nach Massa zu kommen:

Wer aus dem westlichen Norditalien kommt, fliegt am besten entlang der Autobahnen Alessandria – Genua oder Mailand – Genua. Den südostwärts die Küste herunter. Da der Apennin über Ligurien nicht sonderlich hoch ist, kann man meist auch direktere Flugwege nach Genua fliegen. Genua Approach ist immer sehr kooperativ, was Routenwünsche durch die CTR von Genua betrifft.

Wer grob gesagt aus de Region des Gardasees kommt, fliegt am einfachsten via Parma und dann den Passo della Cisa entlang (Erläuterung dieser Strecke im Abschnitt „Routen“).

Wer noch etwas weiter östlich fliegen will: Achtung, denn dort gibt es über dem Apennin eine Nationalpark Protected Area überfliegen (bei Skydemon gut zu sehen), welche bis auf 1640 AGL gilt, was aufgrund der dort schon recht hohen Berge (bis 7000 Fuß) nicht so ganz einfach ist. Es muss danach außerdem schon recht zügig wieder gesunken werden, denn die CTR Pisa beginnt knapp nördlich des Platzes in 3000 Fuß.

In jedem Fall kommt man bei Anflügen aus Norden fast direkt an den wunderschönen und beindruckenden Marmorfelsen von Carrara vorbei; jedes Mal ein fantastisches Panorama, mit dem blauen Mittelmeer voraus!

Bei Flüge mit Y-Flugplan nach Massa Cinquale ist es möglich, zunächst zum Cloudbreak das ILS von Pisa zu fliegen und dann bei Erreichen von VMC Richtung Massa abzubiegen.

Freizeittipps

Ansonsten: 100 Meter vom Flugplatzausgang (in Richtung Meer) gibt es einen Eisladen/Café. 200 Meter weiter und man ist am Strand. Auch Hotels gibt es in absoluter Nähe des Platzes (z.B. die Villa Undulna/Hotel della Terme, welches auch ein Restaurant hat). Schräg gegenüber gibt es (etwas günstiger) noch das Hotel Elisabetta. Dies hat nur zwei Sterne und ist ein Familienbetrieb, wo die Zeit stehen geblieben scheint. Sehr nett, und auch über booking zu haben. Vergleichsweise günstig ist oft das Hotel Stroyville zu haben (ebenfalls ein netter Familienbetrieb und auch nur 500 Meter vom Platz entfernt). Direkt in Forte sind Hotels noch teurer (z.B. das Belvedere).

Der Strand von Forte ist sehr schön; allerdings überwiegend bewirtschaftet; sprich man muss (viel Geld) bezahlen, bekommt dann aber auch Schirm und Liegen. Es gibt aber zunehmend auch wieder mehr „spiagge libere“, also freie Strandabschnitte. Das Panorama über die Apuanischen Alpen vom Strand aus gesehen ist bezaubernd. Zentrum ist die Piazza Garibaldi, wo auch das Fort steht, welches der Stadt ihren Namen gegeben hat. Das Städtchen hat wirklich sehr viel Flair und ist eben auch etwas schicki-micki. Für die Damen ist Forte ein Shoppingparadies.

Eines der schönsten und bekanntesten Strandlokale fürs Mittagessen ist „Gilda“ (Tel. 0584/752622): Vom Flugplatz aus 300 Meter zur Küstenstraße und dann ca. einen Kilometer nach Süden (Richtung Forte dei Marmi). Es hat als eines der eher wenigen Strandlokale ganzjährig geöffnet. Es wurde vor einigen Jahren noch mal massiv erweitert, so dass es nun ca. 200 Außenplätze direkt am Strand hat. Dennoch sollte man besser reservieren. Natürlich gibt es vor allem Seafood; schon etwas in Richtung haute cuisine gehend. Dazu eine Flasche Vermentino der Marke „Lunae“ (Weißwein direkt aus der Gegend). Allerdings alles nicht billig! Dort gestärkt kann man dann die restlichen zwei Kilometer ins Zentrum von Forte auch gerade noch zu Fuß schaffen. Ansonsten ist auch das Restaurant des „Bagno Carducci“, direkt neben dem großen Steg im Zentrum von Forte sehr schön. Auch das Alpemare ist sehr hübsch und edel. Einfacher, aber trotzdem nett (Terrasse im „ersten Stock“) ist das „Solemar“. Es gibt aber am Strand natürlich noch viele mehr.

Das wohl absolut gesehen „beste“ Lokal in Forte ist das Ristorante Lorenzo in der Via Carducci, im Zentrum (Tel. 0584/84030). Unter Liebhabern der Sterneküche (ich gehöre absolut nicht dazu!) ist dies das beste Fischrestaurant der gesamten Toskana-Küste, aber entsprechend auch preislich sehr teuer. Beliebtestes legeres Restaurant/Pizzeria für abends: „Bocconcino“ (Tel. 0584/80375) wo man mitten im Zentrum auf der Piazza Garibaldi sitzt (im Sommer sollte man versuchen, zu reservieren).