Flugvorbereitung – Flugdurchführung – Flugziele

Venedig

Venedig – die Stadt der Verliebten…und nicht nur…

Auch fast alle Privatpiloten, die erstmalig Italien mit dem Flugzeug bereisen, planen einen Stop in Venedig ein. Auch für einen spontanen Wochenendflug ist für Süddeutsche Venedig keineswegs zu weit: vom Münchener Raum aus beträgt die Flugzeit mit einer 172er nur ca. zweieinhalb Stunden. Dazu kommt eben die Verfügbarkeit des sensationellen Flugplatzes auf dem Lido (LIPV). Venedig ist für die meisten Privatpiloten ein typisches „bucket list item“. obwohl bzw. auch gerade weil es dort natürlich sehr touristisch und auch teuer ist.

Zu beachten ist, dass seit 2024 an allen Wochenenden (und einigen Wochentagen) des Sommerhalbjahrs von reinen Tagesgästen eine Besuchergebühr von der Stadt erhoben wird… mittlerweile immerhin bis zu 10 Euro pro Tag und Person. Man sollte sich darum kümmern, denn die Strafen sind recht hoch und Kontrollen finden statt. Man muss sich aber selbst um die Entrichtung kümmern; als Individualreisender wird man nicht unbedingt hierauf aufmerksam gemacht.

Für Privatpiloten gibt es in und um Venedig im Prinzip vier Landealternativen. Daher sollen hier diese mit ihren Vor- und Nachteilen einmal im Detail erläutert werden; beginnend mit dem Sahnestück der Allgemeinen Luftfahrt in Italien:

Venezia-Lido (LIPV) („Aeroporto Nicelli“)

Der berühmte „Stadtflugplatz“ auf dem Venedig vorgelagerten Lido liegt nur ein paar Kilometer südöstlich der Stadt. Die Website findet man hier. Der Platz ist bekannt für seine einzigartige Lage, den traumhaft schönen Anflug, die fast 100 Jahre alte Baustruktur und die interessante Verkehrsanbindung an Venedig mittels Fähre oder Wassertaxi. Der Platz ist täglich geöffnet (durchgehend), auch montags. Es ist kein PPR für die Landung notwendig. Avgas (per Self Service) ist vorhanden (Mogas nicht) und es gibt es auch Jetfuel, allerdings beides stets teuer. Bei großer Spritmenge lohnt sich ggf. davor oder danach ein Tankstopp in Portoroz.

Es gibt auch die Möglichkeit, mit Voranmeldung und gegen Gebühr (siehe hier) Zoll und Einreise zu machen. Es sei aber darauf hingewiesen, dass der Zoll in Lido oft ziemlich streng und humorlos ist sowie für gut eine halbe Stunde Zeitverlust sorgt. Außerdem verlangt er eine genaue Vorhersage der ETA, was bei längeren Streckenflügen gar nicht möglich ist. Ggf. sollte man erwägen, bei Bedarf auch für den Zoll einen Zwischenstopp in Portoroz zu machen (und bei der Gelegenheit eben auch günstiger zu tanken).

Schon vor einigen Jahren wurden sämtliche veröffentlichten „VFR-Strecken“ im Bereich der Venezia CTR abgeschafft. Allerdings gibt es nach wie vor einige VFR-Meldepunkte, welche neben klassischen Ortsnamen nun größtenteils zusätzlich auch Standard-Bezeichnungen haben („Sierra“, „Echo“, etc.). Den An- bzw. Abflug sollte man selbstverständlich anhand dieser Wegpunkte planen. Von Norden kommend ist insbesondere der Anflug über November (Mestre Nord) und dann mit einem Midfield Crossing über den Flughafen Tessèra (LIPZ) sehr interessant; dieser ist aber nur möglich, wenn der AFIS in Lido in Betrieb ist. Aus südlichen Richtungen kommend wird meist über Sierra 2 (Chioggia) und Sierra 1 (Porto di Malamocco) geflogen.

Wenn man mit Y-Plan nach Lido gefilt hat, fliegt man (es sei denn man cancelt schon vorher) ein Cloudbreaking-Verfahren (siehe Kapitel „IFR in Italien“) auf dem ILS der Piste 04 von Tessèra (LIPZ, siehe unten); bei Erreichen von VMC cancelt man IFR und fliegt weiter nach LIPV. Ist das Wetter dafür zu schlecht, landet man in LIPZ oder fliegt zum Alternate.

Seit einigen Jahren ist es so, dass am Platz die ATS-Zeiten und Flugplatzbetriebszeiten nicht mehr genau übereinstimmen. Konkret: am frühen Abend, also in den letzten beiden Betriebsstunden sowie dienstags komplett, ist der Platz zwar geöffnet, der AFIS aber nicht besetzt. Darauf sollte man gefasst sein und sich die Regelungen dafür in der AIP durchlesen. Flugpläne muss man dann selbst schließen. Wer aber komplett zu spät kommt (also wenn auch die Flugplatzverwaltung, und damit auch der Brandschutzdienst eigentlich schon Feierabend hat) der muss mit sehr hohen Extragebühren rechnen; das sollte man unbedingt vermeiden. Man sollte auch nicht erst zehn Minuten vor Schließzeit landen, denn zur Schließzeit muss man das Gelände verlassen haben. Auch morgens (wo der Platz „erst“ um 9:00 Uhr aufmacht) kann man hier leider nicht vor der Öffnungszeit zu seinem Flieger, so dass man realistisch leider kaum vor 9:30h starten kann, was im Sommer wettertechnisch oftmals schon etwas spät sein kann.

Die Grasbahn ist knapp 1000 Meter lang, fest und in der Regel recht ordentlich gemäht. Der Zustand ist Durchschnitt; so richtig fein gepflegt ist sie nie. Weich wird sie allerdings auch nur sehr selten (nur dann, wenn es lange und viel geregnet hat). Im Spätsommer ist die Piste oft hart wie Beton. Das nördliche Bahnende ist völlig hindernisfrei; am südlichen Ende sind ein paar Häuser und Bäume zu überfliegen. Alles in allem kommt man hier mit praktisch allen GA-Fliegern rein und raus. Es empfiehlt sich zum Rollen ein Backtrack auf der Piste, da die Flächen abseits der Piste meist etwas schlechter gepflegt sind. Auch die Parkflächen entlang des Rands der Piste sind leider manchmal eher ungemäht. Bei kurzen Stopps oder wenn wenig los ist (sprich: in der Nebensaison) kann man meist auch am Rand des recht kleinen Asphaltvorfelds parken, da aber ansonsten für Flugzeuge mit mehr als zwei Tonnen MTOW gedacht und PPR ist. Alternativ kann man in der Regel auch einen Platz im Hangar bekommen, was preislich noch gerade halbwegs vertretbar ist. Das Asphaltvorfeld sollte man allerdings nur über den weißen Zugang berollen und nicht einfach irgendwo, weil dort sonst ein Graben ist! Auch an der vorgesehen Übergangsstelle sollte man vorsichtig und mit wenig Leistung rollen, weil diese etwas steinig ist.

Die Gebühren sind – wie die meisten wissen – recht hoch. Das gilt zwar nicht für die reine (staatliche) Landegebühr, sondern für die Summe der anfallenden Service-, Park- und Passagiergebühren. Für einen Zweitonner (inkl. 24 Stunden Parken und einem Passagier) landet man bei ca. 65 Euro. Für einen Grasplatz natürlich etwas sehr teuer, aber es ist eben Venedig. Pro weiterer Nacht auf Gras sind es nochmal 18 Euro mehr. Wer Zoll braucht, bezahlt pro Bewegung 20 Euro mehr. Dennoch: meiner Meinung nach gehört Venezia Lido zu den schönsten Flugplätzen der Welt.

Auch das renovierte Art-Deco Terminal von 1935 ist allein schon einen Besuch wert. Dort gibt es ein gutes Restaurant („Nicelli“) mit schöner Terrasse, das mittags jeden Tag geöffnet ist.

Tipps: Klassischerweise nimmt man die normale Fähre, um hinüber nach Venedig zu kommen. Den Anleger „Santa Maria Elisabetta“ kann man entweder zu Fuß (1,5 km am Wasser entlang) oder, wenn man Gepäck hat, mit einem Taxi oder dem Linienbus erreichen (Linie A, fährt vor der Kirche S. Nicolo ab, ca. 150 Meter vom Flugplatzausgang entfernt). Die Fährtickets sind (wie alles in Venedig) nicht ganz billig; einmal Markusplatz und retour kostet 20 Euro. Alternativ (mein Tipp!) kann man auch für lediglich 6 Euro nur den Sprung nach Santa Elena machen; von dort ist es dann ein sehr schöner Spaziergang entlang des Wassers bis zum Markusplatz (1,5 km)*. Wenn man es luxuriöser will, kann man für deutlich mehr Geld auch ein privates Wassertaxi nehmen, welches nach Absprache direkt vor dem Ausgang des Flugplatzes abholt (an das Personal am Airport wenden). Kosten ca. 80 Euro bis zum Zentrum des Geschehens in Venedig. Außerdem kann man am Platz und auf dem Lido über eine App („Ridemovi“) E-Bikes leihen; diese dürfen allerdings nicht mit auf die Hauptinsel nach Venedig genommen werden.

*Ohnehin ist der südöstlichste Teil von Venedig (Arsenale, Castello) sehr reizvoll und nicht ganz so „touri“ wie die Gegend um den Markusplatz und die Rialto-Brücke. Das ist die Gegend rum um die Via Garibaldi. Auch der Garten „Giardini Piubblici“ ist sehr lauschig.

Zum Thema Unterkunft: hier sollte man erwägen, gleich auf dem Lido zu bleiben. Denn erstens hat man dann den Strand um die Ecke und zweitens sind die Hotelpreise hier etwas günstiger und es ist etwas ruhiger. Insbesondere in der Nebensaison gibt es hier wahre Schnäppchen. Ein sehr schönes BnB ist die Villa Contarini. Der Eigentümer bietet die Abholung am Platz per eigenem Boot an! Fußläufig (nur 400 Meter) ist z.B. das Viktoria Palace Hotel zu erreichen. Wer hingegen wirklich direkt in Venedig nächtigen möchte, dem wird das „Combo“ als zwar eher schlichtes, aber modernes, hübsches und bezahlbares Hotel empfohlen.

Auch die Insel Burano, mit ihren vielen bunten Häuschen entlang kleinerer Kanäle finde ich persönlich für einen Kurzbesuch einfach schön.

Und noch was Fliegerisches: Sehr häufig bekomme ich Emails mit der Frage, wie man denn bloß, z.B. von Deutschland kommend, durch das unendliche Kontrollzonendickicht Nordostitaliens nach Venedig durchkommt. Nochmal: Diese Kontrollzonen (Treviso/Aviano/Venedig) sind Luftraum Klasse D (und teilweise Klasse C). Es ist also zwar eine Freigabe nötig, doch ein wirkliches Hindernis stellen diese für den funkenden VFR-Flieger nicht dar. Es gibt keine fest vorgegebenen Transitrouten mehr. Aviano und Treviso haben wenig Verkehr. Natürlich muss man den starken Verkehr in Venezia-Tessèra berücksichtigen. Hier ist aber von Norden kommend oft ein Midfield-Crossing möglich. Geben Sie dem entsprechenden Approach-Lotsen einfach möglichst nachvollziehbar ihre aktuelle Position und ihre gewünschte Route und Höhe durch und die Sache wird mit hoher Wahrscheinlichkeit genehmigt. Manchmal muss man eben recht tief fliegen (siehe dazu bitte auch den Abschnitt „Luftraumstruktur“). Believe me: it’s easy!

Venezia Tessèra (LIPZ)

Der „große“, internationale Flughafen von Venedig, ein paar Kilometer nördlich von Venedig selbst und auf einer Landzunge gebaut. Er bietet im Gegensatz zum Lido massig Asphaltbahn, H24 und natürlich ILS etc., ständigen Zoll und Mietautos. Leider aber kein Avgas. Und außerdem sehr hohe Gebühren!

Wenn man erst mal da ist, kann man mit dem Taxi (40 Euro) , dem Bus (8 Euro) oder – origineller – mit dem Wasserbus, sprich einer Fähre (15 Euro) oder – noch cooler – dem privaten Wassertaxi (ca. 100 Euro) zum Markusplatz fahren – der Anleger für Letzteres liegt quasi direkt neben dem GAT!

Um in Tessèra landen und parken zu können, ist PPR notwendig. Die Anfrage ist gemäß AIP mindestens 2h vor der Landung zu stellen an an einen der beiden folgenden Handling-Agents (SAVE S.p.A. General Aviation Service
oder Sky Services S.p.A.). Siehe die AIP für die Details.

Gebührentechnisch ist Tessèra leider in den letzten paar Jahren sehr teuer geworden. Je nach Handler und je nach Details (MTOW, Anzahl Passagiere, Parkdauer) liegen diese mittlerweile leider bei mehreren hundert Euro. Sky Services ist hier wohl eher zu empfehlen als SAVE. Die exakte Aufsplittung der einzelnen kleineren und größeren Gebühren ist wie immer recht abenteuerlich. Auch hier wird versucht, „Towing“ extra zu verkaufen.

Padova (LIPU)

Der Platz ist leider seit ein paar Jahren nur noch VFR anfliegbar (obwohl es weiterhin eine AFIS-Stelle gibt). Auch VFR-Nacht ist nicht mehr zugelassen. Sonst aber ist es ein ganz solider GA-Platz. Zum Thema Zoll hat die AIP etwas unklare Ausführungen, aber de facto ist dies (also für non-EU aber auch non-Schengen) mit PPR von montags bis samstags möglich und auch nicht allzu teuer; Anfrage über das Formular auf der Website des Flugplatzes.

Achtung: der AFIS macht am Nachmittag stets relativ früh Schluss. Es ist aber grundsätzlich möglich, auch danach noch zu landen, dann eben ohne AFIS. Siehe für die Details dazu den AIP-Eintrag des Platzes. Zur Landung wird vorzugsweise die 04 genommen, zum Start vorzugsweise die 22. Die ATZ hat vorgegebene Ein- und Ausflugpunkte.

Pisten, Rollwege und Vorfeld machen stets einen leicht desolaten Eindruck. Sonst läuft aber alles, inklusive Tanken (Avgas, Mogas und Jet). Die Tankwarte kümmern sich um die Abwicklung. Es gibt ein fleischlastiges Restaurant („Gino’s“) im Flughafengebäude (sonntags geschlossen).

Früher war Padova für viele, insbesondere IFR-fliegende Venedig-Besucher, der goldene Mittelweg zwischen dem sehr teuren Tessèra und dem Lido mit seiner Grasbahn. Und auch wenn das mit dem IFR leider vorbei ist, für VFR-Flieger ist der Platz immer noch recht attraktiv. Er hat sehr kurze Wege. Die Gebühren für einen Zweitonner sind mit ca. 30 Euro rein für die Landung und ca. 25 Euro pro 24h Parken erträglich.

Vom Flugplatz aus kann man entweder mit dem Uber/Taxi für ca. 15-20 Euro zum Bahnhof fahren oder den Linienbus nehmen (2,50 Euro). Letzterer hat quasi direkt vor dem Flughafengelände eine Haltestelle. Die Linie 6 fährt zum Bahnhof. Auch Linie 12 geht Richtung City. Das Ticket kann an Bord gekauft werden. Auch Bikesharing über Ridemovi ist möglich.

Vom Bahnhof fahren sehr regelmäßig Züge in 25 Minuten direkt nach Venedig (kostet nur ca. 6 Euro pro Person). Auch Mietautos können aber mit vorausgegangener Organisation ab Flugplatz Padua bereitgestellt werden. Allerdings ist das Parken eines Pkws in Venedig unglaublich teuer.

Auch die Stadt Padua selbst ist sehr hübsch und lohnenswert. Sie ist vor allem Universitätsstadt. Zu Fuß sind es vom Platz aus ca. 25 Minuten bis in die Altstadt.

Treviso – Sant‘ Angelo (LIPH)

Insbesondere seitdem der Flughafen von Treviso von Ryanair (als Alternative zu Tessèra) genutzt wird, ist auch dieser Platz für einen Venedig-Besuch eine Option, denn es gibt dadurch bedingt regelmäßige Shuttle-Busse für relativ wenig Geld direkt zur Piazzale Roma von Venedig. Die Anbindung ist somit deutlich besser als die von Padova (LIPU). Außerdem ist Treviso jetzt der einzige kostenmäßig halbwegs moderate IFR-Platz in der Region. Nachteil: Es gibt grundsätzlich erstmal kein Avgas (lediglich der Aeroclub hat Avgas, aber man bekommt nur auf vorherige Anfrage und mit Glück eine begrenzte Literzahl). Es ist für das Parken – wie an den meisten Flughäfen Italiens- stets PPR notwendig.

E-mail: general.aviation@trevisoairport.it
Tel. 0039 0422 315132; Fax: 0039 0422 315139

Ansonsten hat man die üblichen Annehmlichkeiten eines Großflughafens: praktisch und um die Uhr geöffnet, ILS, Zoll, Jetfuel, Verpflegung, Taxis, Mietwägen, etc. Die Gebühren für einen Zweitonner sind – für einen italienischen Airline-Airport – inklusive 24 Stunden Parken und mit einem Passagier mit ca. 120 Euro noch halbwegs moderat. Auch sonst: vergleichsweise unkompliziert und freundlich. Lediglich ATC gilt hier als etwas unflexibel und lässt gerne VFR-Flieger z.B. am Rollhalt versauern, weil irgendwo ein Liner im Anflug ist. Übrigens: Treviso selbst ist meiner Meinung nach eine schöne Stadt Norditaliens und daher unabhängig von Venedig absolut einen Besuch wert! Das Taxi vom Airport dorthin kostet nur ca. 15 Euro.

Aviosuperfici und Campi di Volo

Aviosuperfici oder Campi di Volo gibt es in sinnvoller Entfernung zu Venedig kaum. Am ehesten käme, falls man sich die Gebühren in Lido nicht antun möchte noch das Aviosuperficie Caposile (LIKI) in Frage (siehe Abschnitt „Adriaküste“). Meiner Meinung nach sollte es sich aber keiner entgehen lassen, den Flugplatz Venezia-Lido im Leben mindestens einmal als PIC angeflogen zu sein.