Flugziele/Neapel
Neapel / Kampanien

"Neapel sehen und sterben" heißt es schon in der italienischen Folklore. Und überhaupt: Kampanien - die wahrscheinlich "italienischste" Region Italiens. Ein von Gott gesegnetes Land, wo wirklich die Zitronen blühen. Land der "Mozzarella di Bufala", der "Pomodori", Ursprungsregion der "Pizza Napoletana".

Zu besuchen gibt es in Kampanien sehr viel: Zum einen die Haupstadt Neapel, die viel besser ist als ihr Ruf und eine City-Reise unbedingt wert ist. Aber auch den Vesuv und Pompeii,... außerdem Paestum, die wunderschöne Amalfiküste, die Halbinsel Sorrent sowie die Inseln Ischia und Capri.

Fliegerisch Kampanien zu decken ist natürlich der beste Weg. Leider ist hier im "Mezzogiorno" die Flugplatzdichte deutlich geringer als z.B. in Norditalien, so dass man (mit ein paar Ausnahmen) auf die beiden Flughäfen Napoli-Capodichino (LIRN) und Salerno-Pontecagnano (LIRI) beschränkt ist. Beide Flughäfen sind allerdings recht gut machbar (siehe weiter unten). Die Napoli CTR ist in ihren Ausmaßen recht stattlich. Dennoch: Eine Flug entlang der kampanischen Küste, speziell der Amalfiküste, oder eine Runde über Capri oder Ischia ist relativ problemlos zu machen. Auch eine Runde um den Vesuv ist, nach entsprechender Koordinierung mit der Flugsicherung, durchaus möglich (auch wenn es hier einen Nationalpark gibt, den es zu beachten gilt). Ansonsten sollte man sich eventuell bei einem Besuch von Kampanien in der Tat an einem der beiden Flughäfen einen Mietwagen nehmen, um so den Reiz Kampaniens nicht nur aus der Luft, sondern auch vom Boden aus schätzen zu lernen.

Im Folgenden sollen die wesentlichen Flugplätze Kampaniens kurz vorstellt sein. Meine persönlichen Erfahrungen halten sich in diesem Fall allerdings in Grenzen, so dass die Infos meist aus zweiter Hand zusammengetragen sind.

Neapel-Capodicchino (LIRN)

Der Platz liegt nur ein paar Kilometer nördlich des Stadtzentrums. Neben den üblichen Alitalia-Maschinen und seit einiger Zeit auch verschiedenen Low-Cost-Carriern befindet sich hier auch der traditionsreiche Aeroclub Napoli, so dass es am Platz etwas "kleine GA" gibt.

Als Großflughafen hat Napoli natürlich zunächst mal die üblichen Vorzüge: riesige Asphaltbahn, ILS, Zoll und Mietautos sowie Busverbindungen in die Stadt. Die Nachteile sind ebenfalls die üblichen: Es ist wegen der Parkthematik PPR notwendig, die Prozeduren sind etwas kompliziert und spottbillig ist der Spaß auch nicht. Allerdings gibt es Avgas (Uhrzeiten gemäß AIP beachten!). Jet gibt es ohnehin (beides allerdings nicht für Helikopter). PPR beantragt man (mit mindestens 12 Stunden Vorlauf, für einen Tankstopp reichen 2 Stunden Vorlauf) bei:

GESAC Apron Management Office
Fax: 0039 0817896211; apron_management@gesac.it

Auch hier ist keineswegs garantiert, dass man für längere Zeiträume bewilligt wird, leider. Hier durchaus etwas insistieren im Hinblick auf die Spannweite des Fliegers, etc. Das Parkdauer-Maximum beträgt laut AIP leider nur drei Tage. Bei dem PPR-Antrag muss in jedem Fall die gewählte Handling-Company angegben sein. Hier empfiehlt sich aufgrund des günstigsten Preises (Alisud ist etwas teurer):

Sky Services
Tel. 0039 081 2311048; Fax: 0039 081 7800031; nap@skyservices.it; Frequenz: 131.900

Für IFR-Flüge muß die PPR-Nummer dann schließlich in Feld 18 des Flugplans. Achtung: Im Sommer gibt es freitags und samstags zu gewissen Uhrzeiten Beschränkungen, was Bewegungen der GA betrifft. Auch in den Nachtstunden darf die GA ohne spezielle Genehmigung nicht starten und landen. An Gebühren (Landung, 24h Parken, Handling) muss man mit einem Zweitonner mit ca. 70 Euro rechnen.

Es sei nochmal gesagt: Ein Besuch der Stadt Neapel sei absolut empfohlen, um einmal die Atmosphäre dieser geschäftigen, mitunter etwas chaotischen, aber dafür faszinierenden süditalienischen Metropole zu erleben. Zweiflern sei gesagt, dass sich die Horrorgeschichten von Müllbergen, Kriminalität, Slums und Drogen auf die Vorstädte beschränken. Der Stadtkern selbst ist relativ sicher und in gutem Zustand, die Promenade gar architektonisch äußerst hübsch. Der Hafen ist atemberaubend.

Und schließlich die Pizza: schlicht eine Wucht. Tipp: Wenn Sie in Napoli sind, ist es fast schon Pflicht, einmal in eine der ältesten Pizzerias der Stadt zu gehen, zu "Da Michele" (im Stadtzentrum). Wundern Sie sich nicht, wenn sie, um einen Platz zu bekommen, erst einmal einen Zettel ziehen und unter Umständen bis zu eine Stunde lang warten müssen. So viel Andrang herrscht hier. Die Pizzeria selbst ist äußerst schlicht, mehr ein Imbiß als ein Restaurant. Es gibt nur zwei Arten von Pizza: Napoletana (nur Tomaten und Basilikum) und Margherita (Tomaten, Mozzarella und Basilikum). Nehmen sie die Margherita, und zwar mit doppelt Käse! Sie werden sehen, dass die Pizza ganz was anderes ist, als das was man hier so kennt; viel weicher aber dafür umso geschmackvoller. Kein Wunder, die Tomaten wachsen ganz in der Nähe am Fuß des Vesuvs auf fruchtbarstem Boden unter der intensiven süditalienischen Sonne. Die Mozzarella kommt ebenfalls aus der Region. Und zum Thema Trinken: Es gibt hier nur Wasser, Cola oder Bier (Tipp: man zur Pizza trinkt man in Italien Bier). Ein Erlebnis wert! Website: www.damichele.net.

Abschließend zu Napoli Capodichino kann man sagen, dass der Platz bedingt zu empfehlen ist, zumindest für Besuche von Neapel selbst, für Fahrten an den Kraterrand des Vesuvs, für die Besichtigung der untergegangen Stadt Pompeii, sowie für Bootsausflüge auf die Inseln Capri und Ischia. Man sollte lediglich verständlicherweise den Hochsommer meiden. Kampanien kann durchaus auch im (mitteleuropäischen) Winter ideal sein, auch wenn auch hier mal ein paar Tage Regen nie auszuschließen sind.

Wenn man hingegen die Halbinsel Sorrent, die Amalfiküste oder Paestum besuchen will, dann lautet die Empfehlung:

Salerno-Pontecagnano (LIRI)

Der Flughafen für den südlicheren Teil der Region Kamanien. Jahrelang haben viele Piloten mit diesem Platz eher schlechte Erfahrungen gemacht (Bürokratie, Dokumentenkontrolle, etc.). Das war zu der Zeit, als man in Salerno größere Ambitionen hatte, zum zweiten Verkehrsflughafen der Region zu werden. Da war GA natürlich nicht so wichtig. Das wurde 2008 weitestgehend verworfen. Und tatsächlich: Seit einiger Zeit höre ich fast ausschließlich nur von positiven Erfahrungen von diesem Platz.

Der Platz liegt knapp südlich der Hafenstadt Salerno und somit nicht allzu weit von der Amalfiküste im Norden und den Ausgrabungsstätten von Paestum im Süden. Es gibt IFR-Anflüge, Zoll und vor allem problemlos Avgas (Uhrzeiten der Tankstelle beachten!). Leider kein Restaurant.

Für das Landen (und auch das längere Parken) ist erfreulicherweise kein PPR notwendig. Auch die Gebühren bewegen sich mit 30-45 Euro im moderaten Bereich.

Es gibt Avgas und Jet. Für das Tanken ist unbedingt die Mittagspause zu beachten (wir sind in Süditalien!). Sonntags gibt es Sprit nur mit 24h Voranmeldung. Achtung: In Salerno wird für alle Flüge, gleich ob VFR oder IFR, eine Start-up Clearance gefordert.

Zum Touristischen: Zu empfehlen ist LIRI zunächst mal für einen Kurzbesuch Salernos. Die Stadt ist keinesfalls hässlich. Insbesondere erfreut die schöne begrünte Uferpromenade und der große Hafen. Einen halben Tag ist Salerno somit durchaus wert, mehr aber wohl auch nicht. Es fährt ein Linienbus vom Flughafen in die Stadt (Linie 8); mit dem Taxi ist es sehr teuer. Es gibt am Flughafen auch Leihwagen. Dies muss man allerdings unbedingt im Vorwege organisieren. So ist es z.B. sonntags gar nicht möglich, einen Leihwagen zu bekommen.

Und dann natürlich die Amalfiküste: Sie erreicht man in einer guten halben Autostunde Richtung Norden, und kann diese dann bis fast zur Spitze der Halbinsel von Sorrent abfahren. Ein Traum von Italien (wie gesagt: den Hochsommer meiden).

Sobald man die Amalfiküste ausreichend erlebt hat, kann man in kurzer Zeit auch auf die Nordseite der Halbinsel von Sorrent gelangen, die ebenfalls einen Traumblick auf den Golf von Neapel, den Vesuv, Capri und Ischia bietet. Auch die Stadt Sorrent selbst hat ihre Reize. Von hier ist es nach Capri sehr nah.

Und noch ein persönlicher Tipp von mir für diejenigen, die auf der Halbinsel Sorrent einen romantischen Ort, ein traumhaftes Hotel und ein exzellentes Restaurant suchen: Die "Taverna del Capitano" ist ein familiengeführtes Juwel ganz an der Spitze der Halbinsel von Sorrent, im Mini-Hafenort Marina del Cantone, welcher zur Komune Massalubrense gehört. Die Familie Caputo ist eine ganz herzliche und gleichzeitig hochgebildete, professionelle Gastronomenfamilie. Wirklich ein Traum, wenn auch nicht ganz billig. Das Restaurant hat einen Michelin-Stern. Web: www.tavernadelcapitano.it.

Für Kulturfreunde empfiehlt sich von Salerno aus ein Besuch der Ruinenstätte Paestum. Diese liegt nur ca. 50 km südlich von Salerno.

Zu guter letzt empfehle ich ganz allgemein das gesamte südliche Kampanien (Cilento-Gebiet), welches zwar weniger berühmt ist als der Golf von Neapel oder die Amafiküste, aber dafür umso schöner ist.

Aviosuperficie Altavilla Silentina

Wie schon oben angedeutet gibt es abgesehen von Neapel und Salerno in Kampanien nur wenige Flugplätze. Einer davon ist Altavilla Silentina, Im Süden der Region, etwas im Hinterland. Dadurch ist der Platz insbesondere für den Besuch von Paestum und/der eine Reise ins Cilento-Gebiet geeignet. Die Piste ist 800 Meter Gras. Es gibt, wie so üblich auf den Aviosuperfici, keine Gebühren, allerdings auch kein Avgas. Man kann allerdings in der Nähe des Platzes einen Leihwagen nehmen. Auch das Bergstädtchen Altavilla selbst soll reizvoll sein. Nähere Infos zu diesem Platz, wie auch zu den folgenden, gibt es nicht in der AIP oder im Jeppesen, sondern nur im Avioportolano bzw. im Aerotouring Flight Guide Italy.

Sonstige

Eine Alternative für Neapel ist das Aviosuperficie "Volturno Fly", ca. 30 km nördlich der Stadt. Die Piste ist 700 Meter lang und es gibt Avgas. Website siehe hier.

Das Aviosuperficie Benevento liegt Im Nordosten der Region. Er ist der zur gleichnamigen Provinzhauptstadt gehörende Sportflugplatz, wo es auch einen Aeroclub gibt. Diese Gegend hat weit weniger touristische Highlights, sei hier aber der Vollständigkeit genannt. Auch hier ist die Piste 800 Meter Gras. Weitere Infos im Avioportolano/Aerotouring Flight Guide.

Das Aviosuperficie Teggiano liegt im aüßersten Südosten der Region. 750 Meter Gras. Weitere Infos im Avioportolano/Aerotouring Flight Guide.

Wer mit einem UL unterwegs ist, hat noch eine sehr gute Möglichkeit, nahe an Paestum und überhaupt an der südkampanischen Küste zu landen: In der Ortschaft Capaccio Paestum liegt der Campo di volo "Oasi di Peppe". Die Graspiste ist 350 Meter lang (siehe Avioportolano/Aerotouring Flight Guide). Bis zum Strand sind es nur zwei Kilometer; bis zu der berühmten Ruinenstätte sind es ca. 6 km. Auch das kleine, zum Platz gehörende Restaurant soll sehr gut sein - und Pizza gibt es natürlich auch!


© 2012 | Philipp Tiemann
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