Flugvorbereitung/Sprit
Das ewige Thema Sprit (Preise Stand Anfang 2012)

1) AVGAS 100LL (italienisch „benzina avio“)

Die gegenüber Deutschland deutlich schlechtere Versorgung mit AVGAS100LL stellt oft das größte Planungsproblem bzw. das größte Potenzial für Ärger vor Ort dar. Ferner ist der Saft in Italien besonders teuer, d.h. er liegt mit zwischen 2,30 Euro und 3,50 Euro (gelegentlich auch noch mehr) und einem Durchschnitt von ca. 2,80 Euro noch knapp über dem deutschen Niveau (ca. 2,60 Euro). Daher hier folgende Tipps:

- Bei der Anreise aus Deutschland noch einmal in Österreich volltanken (ca. 2,25-2,40 Euro).

- Seitdem es beim Ausflug aus der Schweiz keinen zollfreien Sprit mehr gibt, ist ein reiner Tankstopp in der Schweiz (zumal wenn man die zuätzlichen Gebühren für die notwendigen Zollabfertigungen berücksichtigt) leider nicht mehr so lohnenswert wie früher. Außerdem ist der Avgaspreis im letzten Jahr durch die Stärke der Schweizer Franke nochmal deutlich gestiegen. Dennoch: Avgas liegt derzeit bei durchschnittlich ca. 2,60 Franken, also ca. 2,30 Euro (Achtung, in Samedan LSZS deutlich teurer).

- Eine andere Alternative ist beim Flug nach Italien über die klassische Rhônetalroute natürlich ein letzter Tankstopp in Südrankreich, z.B. in Cannes-Mandelieu LFMD (ca. 2 Euro). Vor einem Flug nach Sardinien lohnt sich das Volltanken auf Korsika (ca. 2,20 Euro in Bastia und Calvi, nur ca. 2 Euro in Figari, wo es obendrein keine Landegebühren gibt!).

- Wenn man sich im Raum Kalabrien / Sizilien bewegt, lohnt sich bei größeren Tanks insbesondere ein Tankstopp in Malta (LMML), denn dort kostet das Avgas (Stand Nov. 2011) "nur" 1,70 Euro. Allerdings sei gesagt, dass die Lande- bzw. Handlinggebühren relativ hoch sind, wobei wohl Air Malta noch am empfehlenswertesten ist.

- Auch in Kroatien ist das Avgas seit einiger Zeit bei weitem nicht mehr so günstig wie noch vor ein paar Jahren. Wenn es allerdings von der ohnehin geplanten Reiseroute her Sinn macht, kann sich das Auftanken aufgrund von ca. 2,15 Euro pro Liter in Kroatien natürlich dennoch lohnen. Es ist aber zu bedenken, dass die Landegebühren an den Flughäfen Kroatiens relativ hoch sind. Tipp: Wenn man nur zum Tanken landet, d.h. das Flughafengelände nicht verlässt, gilt dies in Kroatien als so genannte „technical landing“, was die Gesamtgebühren nahezu halbiert (man bezahlt dann in der Regel so ca. 20 Euro, z.B. in Pula LDPL). Dazu im Flugplan bei den Remarks "technical landing" eintragen. Beim Bezahlen der Gebühren in einem solchen Fall sollte man das Personal daran aber unbedingt noch einmal selbst erinnern. Weiter gilt zu bedenken, dass beim Ausflug nach Kroatien und beim Einflug aus Kroatien auch in Italien ein Zollflughafen anzufliegen ist. Auch diese verlangen in der Regel relativ hohe Gebühren und bedeuten Zeitverlust. Daher sollte der Sinn eines reinen "Tankstopps" in Kroatien vorher einmal realistisch durchgerechnet werden.

- Alternativ zu Kroatien macht meist ein Tankstopp in Portoroz (Slowenien, LJPZ) Sinn. Hier kostet der Liter Avgas derzeit ca. 2,05 Euro und der Service ist perfekt, bei einer moderaten Landegebühr von 24 Euro.

Zum Thema Treibstoffverfügbarkeit (Avgas) in Italien:

- Bei der Planung aufmerksam das Aerodrome Directory der AIP bzw. des Jeppesen studieren. AVGAS100LL wird im Jeppesen mit „F-3“ abgekürzt.

- Viele Tankstellen haben fest definierte Öffnungszeiten; diese sind in aller Regel in der AIP bzw. im Jeppesen angegeben. Diese Zeiten sind unbedingt zu beachten. In anderen Fällen ist der Sprit praktisch „PPR“, d.h. man muss vorab eine in AIP/Jeppesen angegebene Nummer anrufen.

- In der AIP bzw. im Jeppesen steht bei einigen Plätzen ein Verweis wie „Aeroclub only“ oder „emergency only“, und zwar besonders bei kleinen, von Vereinen betriebenen Plätzen. So etwas bedeutet, dass zwar eine Zapfsäule vorhanden ist, meist aus steuerlichen oder lizenzrechtlichen Gründen aber kein Treibstoff an Fremde verkauft, sondern nur für den Eigenbedarf des Aeroclubs verwendet werden darf. Es ist nämlich so, dass Flugvereine in Italien beim Sprit Steuervergünstigungen geniessen und diese natürlich nicht an Externe weitergegeben werden sollen. In so einem Fall heißt es vorab anrufen und freundlich fragen, ob man am Tag seiner Ankunft ausnahmsweise einmal z.B. 100 Liter erstehen könnte. In der Regel ist die Antwort dann: Ja. Dies handhabt allerdings jeder Aeroclub unterschiedlich. Von "gar kein Problem" über "das kriegen wir schon irgendwie geregelt" bis "völlig unmöglich"kommt alles vor. Daher Im Zweifel immer vorher den Platzbetreiber bzw. den Aeroclub anrufen und fragen, ob AVGAS („benzina avio“) vorhanden ist und vor allem, ob dieses auch „for visiting aircraft“ zu haben ist. Rechnen Sie auch damit dass man Ihnen so etwas antwortet wie: "wir können Ihnen zwar welches geben, allerdings nur ohne Rechnung" (sollte bei Privatflügen ja kein Problem darstellen). Dabei gleich Öffnungszeiten der Tankstelle, Preis sowie Zahlungsmodalitäten klären. Keine Angst, die Italiener sind zu allermeist sehr freundlich und hilfsbereit!

­ Die AIP- bzw. Jeppesen-Angaben sofort mit den aktuellen NOTAMs des Platzes vergleichen. Bei einigen Plätzen steht in AIP/Jeppesen, dass es Avgas gibt; dies wird dann allerdings in einigen Fällen per NOTAM wieder aufgehoben. Auch deshalb immer auch NOTAMs berücksichtigen, die älter als 90 Tage sind!

- Insbesondere im Süden des Landes ist die Avgas-Versorgung relativ schlecht. Südlich von Neapel gibt es (abgesehen von Sizilien) Avgas nur noch in: Salerno (LIRI), Reggio Calabria (LICR) und Scalea; an der Ostküste gibt es Richtung Süden Avgas nur noch in Foggia (LIBF), auf dem Aviosuperfice Falcone (Region Basilicata) sowie auf den Aviosuperfici von Supersano-Macrì und Maglie-Corte de' Droso (beide bei Lecce). Möglicherweise (mit Vorbestellung!) kann man welches in Lecce-Fondone bekommen. Außerdem besteht wohl die Möglichkeit, in Bari (LIBD) Avgas vom Aeroclub zu bekommen, allerdings für den Preis von 3,50 Euro und natürlich nur zu den Öffnungszeiten des Aeroclubs. Weitere Alternativen im nahen Ausland: Dubrovnik (Kroatien), Korfu (Griechenland) oder - wie oben aufgrund des sehr günstigen Avgaspreises schon erwähnt - Malta.

- Möchte man direkt nach der Landung tanken (immer dringend empfohlen), dies der Flugleitung bzw. dem Turm am besten gleich beim Abrollen von der Piste (oder gar schon während des Anflugs) mitteilen, um Wartezeiten zu vermeiden. Dabei immer betonen, dass man AVGAS ("benzina avio") braucht, damit man nicht zum falschen Platz gelotst wird, bzw. der falsche Truck kommt.

- Zum Thema zollfrei tanken: Bevor Sie aus der Europäischen Union ausfliegen (z.B. nach Kroatien, Albanien, Montenegro, Nordafrika oder in die Schweiz) können Sie an den italienischen Flughäfen grundsätzlich zollfrei tanken. Leider sind hier meine Erfahrungen begrenzt. In jedem Falle gibt es in der Praxis damit immer wieder Probleme, zumal zollfreies Tanken an einigen Plätzen grundsätzlich nicht möglich ist. Wichtig ist, dass Sie ihren Wunsch vor dem Tanken kundtun, und zwar evtl. nicht nur dem Tankwart, sondern dem Büro, wo dann auch bezahlt wird. In vielen Fällen wird als Beweis, dass man aus der EU ausfliegt, ein aufgegebener Flugplan gefordert. Manche „Spezialisten“ machten es in der Vergangenheit z.B. beim Heimflug nach Deutschland so, dass Sie einen Flugplan in die Schweiz aufgaben und diesen dann in der Luft änderten. Von dieser Praxis rate ich allerdings grundsätzlich ab. Vor einiger Zeit (Juni 2009) berichtete mir ein Schweizer Fliegerkollege, vor dem Abflug in Richtung Heimat in Cuneo (LIMZ) für 96 cent (!!!) Avgas getankt zu haben! Millterweile dürfte der entsprechende Preis zwar bei ca. 1,50 Euro liegen, was aber immer noch unschlagbar günstig ist. Auch in Pescara (LIBP) soll nach meiner Information (2011) zollfreies Tanken möglich sein für sehr günstige 1,40 Euro. Für weitere Erfahrungsberichte zu diesem Thema wäre ich dankbar!

- Nutzen Sie bei Ihrer Spritplanung unbedingt auch die (in der AIP gar nicht und im Jeppesen nur teilweise enthaltenen) Aviosuperfici, denn die Zahl derer, die AVGAS haben, wächst ständig. Informationen erteilt, falls dort verzeichnet, das Jeppesen VFR-Manual (ehemals "Bottlang") oder der Avioportolano bzw. Aerotouring Flight Guide; darüber hinaus hilft natürlich auch ein Anruf am Platz. Es ist aber zu bedenken, dass viele Aviosuperfici relativ kurze Graspisten haben und insbesondere Starts mit vollen Tanks - je nach Flugzeugtyp - möglicherweise riskant sind. Und dennoch: der Sprit ist an diesen Plätzen meist (aber nicht immer) vergleichsweise „günstig“, es gibt in der Regel keine Landegebühren und außerdem läuft alles sehr schnell, freundlich und unbürokratisch ab. Allerdings kann man auf diesen Plätzen den Treibstoff oftmals nur in bar bezahlen.

Als Beispiele für "Avgas-Plätze" mit Asphaltpisten (500 Meter und mehr) bzw. großzügig bemessenen Graspisten (600 Meter und mehr) seien genannt:

Sondrio (LILO, nördliche, Lombardei) (hier wochentags allerdings Landegebühr!)
Boglietto - Costigliole d'Asti (südlich von Asti / Piemont) (Spritbedarf vorher anmelden!)
Castelnuovo Don Bosco (bei Asti / Piemont)
Spessa - La Speziana (südlich von Mailand)
Mazzè - Prati Nuovi (Nähe Turin)
Montagnana (westlich von Padova)
Ozzano Emilia (bei Bologna)
Molinella (bei Bologna)
San Mauro (Nähe Udine)
Osoppo (Nähe Udine)
Sassuolo (bei Modena)
Serristori (zentrale Toskana)
Sansepolcro (südöstliche Toskana)
Vejano - Alituscia (nordwestlich von Rom)
Fiano Romano (nördlich von Rom)
Fly Roma (östlich von Rom)
Sabaudia (zwischen Rom und Neapel)
Volturno Fly (bei Neapel)
Terni (südliches Umbrien)
Scalea (nördliches Kalabrien) (Landegebühr!)
Lavello - Falcone (nordöstliche Basilicata)
Salemi (westliches Sizilien)
Ragusa - Eremo della Giubiliana (südöstliches Sizilien) (Platz streng PPR)
Supersano - Macrì (südlich von Lecce) (Spritbedarf vorher anmelden!)
Maglie - Corte de' Droso (südlich Lecce) (Spritbedarf vorher anmelden)
Caorle (obere Adria)
Pordenone - La Comina (westlich von Udine)
Vicchio di Muggello / Aviostorai (nordöstlich von Florenz) (nur mit einigen Tagen Voranmeldung)

Auch in San Marino-Torraccia gibt es Avgas, allerdings ist die Piste Gras, kurz und sehr anspruchsvoll.

- Wie oben schon angedeutet, ist der Preis für Avgas in Italien deutlich uneinheitlicher als z.B. in Deutschland. Daher lohnt es sich (so gut es eben geht) im Vorwege den Preis in Erfahrung zu bringen.

2) AUTOSUPER / BLEIFREI / "MOGAS" (italienisch: „Benzina Verde“)

Wird man an praktisch keinem "Aeroporto" finden (im Jeppesen ist Autosuper mit "F-6" abgekürzt), dafür umso häufiger an den Aviosuperfici und Campi di Volo. Vorsicht ist allerdings stets geboten wegen des möglicherweise hohen Ethanol-Anteils.

Nur relativ selten gibt es eine "richtige" Tankstelle für Mogas (in diesem Fall ist z.B. im Avioportolano ein grünfarbiges Tankstellensymbol verzeichnet). Der Preis ist entsprechend niedriger als der für AVGAS, ca. 1,70 bis 2 Euro. Auch wenn wir hier von "Tankstelle" reden, sind dies selten professionell betriebene Einrichtungen, die mit festen Öffnungszeiten, Rechnung und Co. operieren, sonderen meist handelt es sich um "private" Pumpen kleiner UL-Vereine, die aber meist auch gerne (inoffiziell) Benzin an Gäste verkaufen. Das bedeutet aber auch, dass man nach der Landung oft erstmal jemanden finden muss, der die Tankstelle bedienen kann und man unter Umständen etwas Verständigungsprobleme hat.

An folgenden Aviosuperfici gibt es eine Mogastankstelle:

Sondrio (LILO, nördliche Lombardei) (hier wochentags allerdings Landegebühr!)
Boglietto - Costigliole d'Asti (südlich von Asti / Piemont)
Castelnuovo Don Bosco (bei Asti / Piemont)
Spessa - La Speziana (südlich von Mailand)
Mazzè - Prati Nuovi (Nähe Turin)
Montagnana (westlich von Padova)
Ozzano Emilia (bei Bologna)
Molinella (bei Bologna)
Al Casale (Nähe Udine)
San Mauro (Nähe Udine)
Sassuolo (bei Modena)
Serristori (zentrale Toskana)
Vejano - Alituscia (nordwestlich von Rom)
Sabaudia (zwischen Rom und Neapel)
Volturno Fly (bei Neapel)
Terni (südliches Umbrien)
Scalea (nördliches Kalabrien) (Landegebühr!)
Salemi (westliches Sizilien)
Caorle (obere Adria)
Pordenone - La Comina (westlich Udine)
Valdera (Nähe Pisa)
Mezzana Bigli (südlich von Mailand)
San Marino-Torraccia (Nähe Rimini)
Civitella del Tronto (nördlich von Pescara)
Pignola (Nähe Potenza)
Fermo-Fermano (südlich von Ancona)
Monteporzio (nordwestlich von Ancona)
Celsetta (nördlich von Rom)
Nettuno-Arma (zwischen Rom und Neapel)
San Stino di Livenza (nordöstlich von Venedig)
Massalengo (südlich Mailand) (Benzin wird eher ungern an Dritte verkauft)
Vicchio di Mugello / Aviostorai (nordöstlch von Florenz)
Aviosuperficie Pianfei / Alpi Marittime (südwestliches Piemont)

Auch San Marino (Torraccia) hat eine Mogas-Tasnkstelle.
 
An allen anderen Aviosuperfici und Campi di Volo hingegen gibt es zwar keine Tankstelle, was aber nicht heißt, dass man kein Benzin bekommen kann. Im stark durch Ultraleichtflug geprägten Italien ist es nämlich das normalste der Welt, die Flugzeuge per Kanister zu betanken. In der Regel ist nämlich die nächste Autotankstelle nicht weit. In diesem Fall sind am Flugplatz immer Kanister zu leihen und irgend jemand wird auch ganz sicher das Auto für den Transport zur Verfügung stellen (in diesem Fall ist im Avioportolano ein grünfarbiges Kanistersymbol vorhanden). Verbraucht Ihr Flieger weniger als 20 Liter pro Stunde (=Rotax, Jabiru, Limbach, etc.), kann das eine Alternative sein. Kosten dann so ca. 1,70 Euro pro Liter.

3) JET A-1 / DIESEL

Jet gibt es praktisch an allen größeren Flughäfen sowie an einigen Aeroclubflugplätzen und an ein paar Aviosuperfici. Kosten ca. 1,70 bis 2 Euro pro Liter. Ansonsten gelten grundsätzlich dieselben Tipps wie im Abschnitt über AVGAS. Diesel kann man an keinem Flugplatz bekommen, aber natürlich an einer möglicherweise nahe gelegenen Autotankstelle (ca. 1,60 Euro pro Liter), was für Flieger mit TAE-Motor oder Austro-Motor zumindest eine Notlösung sein kann.


© 2012 | Philipp Tiemann