
Apulien (italienisch: Puglia) ist die südöstlichste Region Italiens. Nach Albanien ist es von dort nicht mehr weit. Die Halbinsel Salento im Süden Apuliens bildet den „Absatz“ des „italienischen Stiefels“; dort gibt es, auf allen Seiten, Traumstrände ohne Ende. Ein weiteres Charakteristikum Apuliens ist der „Sporn“ des Stiefels, der Gargano, welcher das Nordende der Region markiert und ebenfalls sehr interessant ist. Abgesehen vom Gargano ist die gesamte Region insgesamt (im Gegensatz zu z.B. Kalabrien) eher flach. Es gibt viele hundert Küstenkilometer und Millionen von Olivenbäumen. Hauptstadt ist Bari.
Auch fliegerisch macht Apulien Spaß. Leider ist die Flugplatzinfrastruktur für die GA (vor allem oberhalb des UL-Bereichs) nicht besonders gut. Einige Aviosuperfici wurden in den letzten Jahren zu Campi di Volo herabgestuft oder ganz aufgegeben. Außerdem ist die Luftraumstruktur hier leider ein ziemlicher Grauen (zwar gibt es hier keinen Luftraum A, dafür viel Luftraum D und außerdem vor allem sehr viele, teils riesige Flugbeschränkungsgebiete (zum Teil bis nach Kalabrien hinüber reichend) die auch nur zum Teil mit Freigabe durchflogen werden können. Auch in der Gegend von Taranto gibt es ein recht großes, bis zum Boden reichendes Luftsperrgebiet (LI-P27). Es gibt drei große und recht aktive Militärflughäfen in Apulien. Gemeinsam hat diese Region es außerdem mit den anderen süditalienischen Regionen, dass die Versorgung mit Avgas und größeren, aber trotzdem GA-freundlichen Plätzen nicht gut ist.
Und auch noch etwas vorab zu den Flugplätzen, insbesondere den kleinen, also jenen ohne befestigte Piste: dies sind in Apulien nur in den seltensten Fällen richtige „Graspisten“, denn der Boden ist meist eher karg und trocken. Daher handelt es sich meist eher um Pisten aus verdichtetem Erdboden, welche meist leicht mit einer Schicht feinen Kiesels bedeckt sind. Dies ist nicht grundsätzlich allzu problematisch für den Prop, etc. Man sollte natürlich entsprechend vorsichtig agieren, aber es sind auch keine wirklichen „Schotterpisten“. Dennoch sind diese Plätze oft unverzichtbar, weil die großen Flughäfen nicht GA-freundlich (also teuer und bürokratisch) sind und außerdem speziell im Hochsommer praktisch kein Parken ermöglichen.
Gehen wir nun an die lohnenswerten Ziele und Flugplätze der Region heran:
Der Süden (= der Salento) und die Stadt Lecce
Lecce ist zwar nicht die Hauptstadt Apuliens, aber sie ist die wohl sehenswerteste Stadt der Region.
Zunächst kurz zur Luftraumstruktur im Raum Lecce: die ist leider beim Blick auf die Karte zunächst ein ziemlicher Alptraum. Und das, obwohl es im Raum Lecce gar keinen zivilen Verkehrsflughafen gibt. Grund ist vielmehr der südlich der Stadt gelegene Militärplatz Galatina (LIBN), welcher gelegentlich recht aktiv mit Verkehr (Jettrainer) ist. Man hat dafür nämlich äußerst großzügig – fast über den gesamten „Absatz“ des Stiefels – eine CTR mit Untergrenze am Boden gelegt. Mit anderen Worten: man kann sich hier – zumindest wochentags – nur mit Freigabe von Lecce Approach bewegen. In der Praxis stört das nicht so sehr, denn man muss nur sagen, was man will und bekommt eigentlich fast alles genehmigt. Bloß kann man eben nicht gänzlich „frei herumfliegen“, sondern wochentags wird alles wird relativ genau überwacht. Dazu kommen auch über den Bereich der CTR hinausgehend zahlreiche, teilweise sehr große Restricted und Danger Areas, insbesondere in Richtung Westen, also zum Ionischen Meer hin. Aber auch hier gilt: Funkkontakt mit Brindisi Information halten, dann kann man meistens die gewünschte Route absprechen.
Zu den Flugplätzen: zunächst mag der oder andere vom Namen her den Flugplatz Lecce-Lepore (LINL), nahe des Strandorts San Cataldo kennen. Grund ist, dass es ihn seit Jahrzehnten in der italienischen AIP gibt. Allerdings ist es so, dass der Platz von ca. 2002 bis 2019, also ca. 17 Jahre lang per NOTAM (!) komplett geschlossen war. Ca. ab 2014 hat eine lokale Firma sich um die Wiedereröffnung gekümmert, und tatsächlich, 5 Jahre später, im Juni 2019 war es so weit, wurde der Platz tatsächlich für kurze Dauer wieder eröffnet. Seitdem ist der Platz wieder per NOTAM geschlossen. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier lediglich Fördergelder abgegriffen werden sollten. Wie immer gilt: NOTAMs checken, und im Zweifel außerdem den Betreiber kontaktieren. Die Piste ist Asphalt und knappe 1000 Meter lang; es gibt großzügige Abstellflächen. An den Strand von San Cataldo sind es vom Platz aus nur drei Kilometer. In die Innenstadt von Lecce sind es ca. zehn Kilometer. Aber wie gesagt: aktuell weiter geschlossen.
Es gibt aber noch einen anderen Platz, der insbesondere für einen Besuch der schönen Stadt Lecce in Frage kommt: das Aviosuperficie Lecce-Fondone (ICAO-Kennung: LINK). Dieses liegt ebenfalls östlich der Stadt und ist deutlich stadtnäher als Lepore. Der Platz ist quasi das Zentrum der privaten Fliegerei im Raum Lecce; es gibt nicht nur ULs, sondern auch ein paar Motorflugzeuge am Platz. Es ist sinnvoll, vor der Landung den Eigentümer und Chef des örtlichen kleines UL-Clubs, Luigi Fracasso, bzw. vor allem dessen Sohn Francesco, anzurufen (Details siehe Avioportolano), der dann hilft wo er kann. Die Oberfläche der 700 Meter langen Bahn (mit feinen Steinen bedeckter, verdichteter, Erdboden) ist fest; wenn man ein bisschen aufpasst, wird der Propeller nicht beschädigt. Es gibt keine Landegebühren, aber spürbare Parkgebühren über Nacht, wobei meist ein Hangarplatz angeboten werden kann. Mogas kann man meist sofort bekommen, oder mit Hilfe von Luigi holen. Mit etwas Vorlauf kann man hier unter der Hand auch etwas Avgas 100LL organisieren (ca. 3,60 Euro pro Liter). Die Leute sind eben nicht nur nett, sondern auch geschäftstüchtig…
Vom Platz zum Stadtstrand von Lecce (San Cattaldo) sind es ca. 12 km; wenn niemand vom Platz Gäste dorthin nicht fahren kann, muss man ein Taxi nehmen, was nicht ganz billig ist. Ins Stadtzentrum von Lecce kostet es nur ca. 20-25 Euro, denn es ist recht nah.
Wer einen IFR-Approach, Zoll oder Mietwagen wünscht, hat noch die Option, nach Brindisi (LIBR) zu fliegen (siehe dazu im Detail weiter unten). Die Fahrzeit mit dem Mietauto von dort nach Lecce ist gar nicht allzu lang (ca. 45 Minuten).
Zur Stadt Lecce: Prägend ist der „Lecceser Barock“, in dessen Stil zahlreiche Bauwerke in der Stadtmitte zu bewundern sind. Sie wird deshalb auch das „Florenz des Südens“ genannt. Eines der berühmtesten Beispiele des Barockstils von Lecce ist die Fassade der Basilika Santa Croce. Diese und die vorgelagerte Piazza Duomo haben mich bei der ersten Besichtigung wirklich des Atems beraubt. Vor allem abends ist sie toll beleuchtet. Dazu kommen zahlreiche kleine Sträßchen mit vielen barocken Baujuwelen. Zu empfehlen ist die Übernachtung in einem der zahlreichen urigen B&Bs mitten in der Altstadt.
Außerdem sei in der Provinz Lecce ein Besuch des kleinen Städtchens Otranto empfohlen. Es liegt knapp 40 km südöstlich von Lecce. Otranto ist als Hafen- und Festungsstadt historisch interessant und sehenswert. Außerdem gibt es viele schöne, kleinere Strände und tolles, türkisfarbenes Meer in der Umgebung. Der nächstgelegene Flugplatz ist Torre Sant’Andrea in Melendugno. Die Piste ist 600 Meter lang und gepflegt, ohne Hindernisse. Teilweise etwas steinig, also vorsichtig sein. Keine Landegebühr. Vom Flugplatz kann man zu Fuß (ca. 1,2 km) an den Strand bei dem kleinen Ort Sant’Andrea spazieren, wo es auch ein Restaurant („Confine“) gibt. Es soll aber gemäß dem Betreiber auch möglich sein, Fahrräder oder gar ein Auto am Platz zu mieten. Außerdem befindet sich direkt an der Schwelle der 34 das Bed & Breakfast Breezes (mit Pool). Siehe auch den Abschnitt „Avioresorts“. Aber ACHTUNG: dieser Platz ist seit der Saison 2022, als Aviosuperficie formal geschlossen. Mit UL und Zustimmung des Eigentümers kann man auch aktuell weiterhin hier landen. Bitte vorher erneut beim Betreiber informieren!
Den südlichsten Punkt Apuliens markiert das Städtchen Santa Maria di Leuca. Diese ist mir allerdings nicht als äußerst sehenswert in Erinnerung geblieben. Dennoch: der am nächsten gelegene Platz ist das Aviosuperficie Corte (siehe weiter unten). Der Platz Gemini hat zwar über 600 Piste und liegt noch näher, ist aber leider nur für ULs zugelassen (der relativ nahe Ort „Lido Marini“ hat einen fantastischen Strand).
Eine sehr schöne Stadt allerdings ist die im Westen des „Absatzes“ gelegene Hafenstadt Gallipoli. Sie ist quirlig und sympathisch; die Dichte an guten Fischrestaurants ist enorm. Auch die Strände, die sich im Norden und im Süden halbkreisförmig anschließen sind sensationell. Leider gibt es dort in der Nähe keine wirkliche Landemöglichkeit. Früher gab in der Gegend einmal den Flugplatz Macrì, auf dem Gebiet der Gemeinde Supersano. Dort gab es sogar ein hübsches Agriturismo. Dieser Platz wurde aber leider geschlossen.
In sei aber, ebenfalls zentral auf dem „Absatz“ gelegen, das Aviosuperficie Corte (LINB) genannt. Es befindet sich in der Gemeinde Maglie und somit ca. 35 km südlich von Lecce, mitten in der riesigen CTR des Militärflughafens LIBN. Dieser Platz ist für Motorflugzeuge zugelassen; außerdem ist die Piste 1000 Meter lang, breit und sehr eben (dennoch auch hier mit feinen Steinchen bedeckt). Und: an diesem Platz kann man, zumindest bei vorheriger Absprache, in kleinen Mengen Avgas 100LL organisieren. Für Mogas gibt es Kanister und meist einen Shuttledienst zur nächsten Tankstelle. Der Chef der lokalen UL-Flugschule („AirSalento“) heißt Antonio Santoro (a.santoro@airsalento.it). Er ist – wenn man sich zur Landung vorher sauber anmeldet, herzlich gegenüber Besuchern und versucht wo es geht Mietautos („Salento Autonoleggio“), Unterkünfte und eben Sprit zu organisieren. Dabei möchte er allerdings auch ein bisschen Geld verdienen; zum Teil sind die Lande- und Parkgebühren etwas hoch. Vor allem, wenn man auch tankt sollte man hier ruhig ein wenig verhandeln. Es gibt direkt am Platz auch eine einfache Übernachtungsmöglichkeit, aber kein richtiges Hotel. Der Platz hat wirklich eine strategisch gute Lage auf dem Salento: Gallipoli, Otranto, Santa Maria de Leuca und Lecce; alle diese vier wunderbaren Orte sind von Platz aus dem Auto in ca. 25-30 Minuten zu erreichen. Ein Taxi nach Lecce kostet, falls man keine Auto nimmt, ca. 60 Euro pro Strecke. Es gibt viele schöne B&Bs in der Region.
Der Norden (=der Gargano)
Nun vom Süden der Region zunächst ganz in den Norden, dem zur Provinz Foggia gehörenden „Sporn“ des Stiefels (wer sich Süditalien auf der Karte oder dem Satellitenbild anschaut, erkennt warum das der Fall ist). Diese Gegend ist touristisch außerhalb von Italien etwas weniger bekannt. Der Gargano ist im Gegensatz zum Rest der Region sehr bergig. Auch er ist aber optisch sehr vom Olivenanbau geprägt. Darüber hinaus gibt es aber ein paar schöne süditalienische Städtchen, vor allem Vieste. Dazu gibt es natürlich zahlreiche größere und kleinere Strände.
Es lohnt sich, mal einen Rundflug um den gesamten Gargano zu machen. Doch aufgepasst: der Sporn ist riesig; selbst bei 150 Knoten dauert dieser Rundflug ca. eine Dreiviertelstunde.
Außerdem ist leider auch in der Gegend des Gargano die Luftraumstruktur eine mittlere Katastrophe. Schuld ist auch hier das Militär. Südwestlich liegt nämlich der Flughafen Amendola (LIBA). Er besitzt – aus welchem Grund wohl auch immer – die glaube ich größte CTR ganz Italiens. Sie deckt (bis zum Boden reichend – einen Großteil des Gargano ab, so dass man um sich diesen von oben anzuschauen eine Freigabe von Amendola Approach bzw. Radar benötigt. Auch um die CTR herum gibt es hier zahlreiche Restricted Areas.
Hübsch ist wie gesagt vor allem das im Osten des Gargano gelegene Städtchen Vieste, da ihre Häuser weitgehend weiß sind. Außerdem gibt es am Strand von Vieste einen berühmten, 25 Meter hohen Monolithen, den „Pizzomunno“. Aber auch Peschici, das hoch dem Meer thront und nette Altstadtgässchen hat, kann man besuchen. Landschaftlich besonders schön ist der Küstenabschnitt zwischen Vieste und Mattinata. Das Wasser an den (teilweise kieselsteinigen) Stränden ist sehr klar.
Es gibt einen Flugplatz um Süden des Gargano: das nahe der Hafenstadt Manfredonia gelegene Aviosuperficie del Gargano / Gargano Air Park, bei San Giovanni Rotondo, hat eine 700 Meter Gras-/Erdpiste. Sehr freundliche Leute dort (z.B. Graziano); es wird auch Mogas organisiert. PPR über WhatsApp. Nur ein paar Kilometer vom Platz entfernt gibt es, leicht am Berg gelegen, ein schönes Agriturismo mit Restaurant und großem Pool, „Le Cese“ (www.bblecese.com). Chef Franco fliegt auch gelegentlich UL, ist Mitglied des Vereins und bietet die Abholung am Platz ab. Allein mit dem Englischen hapert es bei ihm. In San Giovanni Rotondo kann man auch ein Auto leihen um den Gargano zu erkunden (www.centrarentalcar.it). Insbesondere der Abschnitt zwischen Mattinata und Vieste ist landschaftlich sehr schön. Die Distanzen sind allerdings doch relativ groß. Bei dem genannten Graziano kann man auch ein Motorboot leihen, um den Gargano wasserseitig zu erkunden.
Der einzige „richtige“ Platz mit IFR-Verfahren, Asphaltbahn, Avgas, etc. welcher halbwegs in der Nähe des Garganos liegt ist der Flughafen der Provinzhauptstadt, Foggia / Gino Lisa (LIBF). Die Firma „Sicily by Car“ bietet hier direkt am Platz Mietwagen an. Leider sind an diesem Platz Mitte 2021 die Gebühren völlig explodiert. Es ist jetzt Handling und PPR von FlyService notwendig. Zusammen mit allen weiteren Gebühren bezahlt man jetzt schon für einen Fuelstop ca. 250 Euro; wenn man länger bleibt deutlich mehr! Das Avgas ist auch extrem teuer. Das Handling und die Rechnungsstellung dauern wie so oft etwas lange. Kein Essen am Platz. Die Stadt Foggia selbst ist auch nicht auch außerordentlich sehenswert.
Für weitere Tipps zum Gargano empfehle ich die Lektüre meines (wenn auch schon etwas älteren) Artikels „Italienische Geheimnisse“ aus Pilot & Flugzeug, Ausgabe 2015/06, welchen ich hier hinterlegt habe. Ein paar weitere Bilder zu dieser Reise finden Sie im Abschnitt „Impressionen“ unter dem Punkt „Fotos“.
Abschließend seien noch kurz die so gennannten, zu Apulien gehörenden Tremiti-Inseln erwähnt. Dies ist eine Gruppe kleiner Inselchen nördlich des Gargano. Sie verfügen über keinen Flugplatz. Wer sie besuchen möchte, nimmt in der Regel ein Schnellboot von der Stadt Termoli. Im Sommer fahren aber auch Ausflugsboote von z.B. Vieste und Peschici aus auf die Inseln. Stylischer ist es allerdings, per Heli-Taxiflug vom Flughafen Foggia aus zu fliegen. Die Firma, die diese Flüge anbietet, heißt Alidaunia Servizi Elicotteri und die Flüge sind gar nicht so sehr teuer.
Bari (LIBD)
Der Großflughafen der Region Apulien. Preislich für die GA leider recht teuer (Kosten ca. 200 Euro, aber das hängt ein bisschen von den Details ab). Dafür meist recht guter Service (Skyservice). Zoll, Mietautos, etc. sind natürlich vorhanden. Und: seit Sommer 2023 gibt es hier (von AirBP) neben Jet-A auch wieder regulär Avgas 100LL. Außerdem auch UL91!
PPR ist (wie fast überall) notwendig, über einen der Handling-Agents. Leider bekommt man hier öfter mal gar keine Parkgenehmigung; insbesondere im Sommer. Wenn beim Airport nichts geht, kann man es wegen des Parkens noch ganz freundlich beim Aeroclub Bari versuchen, aber in der Regel kann der auch nicht helfen. Der Verein „Mungofly“ hat leider keinen operativen Sitz mehr am Flughafen.
Die Altstadt von Bari ist recht sehenswert und atmosphärisch, aber nicht außergewöhnlich spektakulär. Avgas 100LL kann man alternativ in der Nähe in Foggia (LIBF) bekommen; dieser Platz ist allerdings mittlerweile auch sehr teuer.
In der Umgebung von Bari gibt es allerdings einige sehenswerte Orte. Zum einen ist der Küstenabschnitt südlich von Bari recht schön, allen voran das Städtchen Polignano a Mare, welche aufgrund ihrer steilen Klippen ins Wasser berühmt ist. Es gibt sogar Restaurants, welche dort in die Klippen hineingebaut sind. Leider wird es Polignano, gerade an den spektakulären Strand-Spots im Sommer sehr voll, weil der Ort so extrem gehypt wird. Ein paar Kilometer weiter kommt dann aber die Stadt Monopoli, wo man ncith nur aufgrund des Namens mal gewesen sein muss; der Ort ist letztlich ähnlich schön wie Polignano, nur eben mit weniger Hype und Leuten. Ein paar Kilometer landeinwärts von Monopoli liegt Alberobello, die Hauptstadt der Trulli, dieser charakteristischen, für Apulien typischen Kegelbauten, die nach dem Vorbild der Bauweise von Hirtenhütten in dieser Gegend gehäuft entstanden. In Alberobello bestehen ganze Ortsteile aus Trulli. Darum gehört der Ort heute zum UNESCO–Weltkulturerbe, hat aber leider durch den Touristenansturm einiges von seinem ursprünglichen Reiz verloren. Nun ja. Leider gibt es in der Nähe von Alberobello nur einen UL-Platz; der Name: Paretano Fly. Die Piste ist 450 Meter lang; der gastfreundliche Platz gehört zu einem Hotel mit Restaurant, Pool, etc., der Masseria Paretano. Trulli kann man auch in andernorts in dieser Gegend sehr viele sehen und diese auch teilweise besichtigen oder gar darin übernachten.
Im Großraum Bari gibt es derzeit nur noch ein einziges Aviosuperficie, den Platz Ceraso – Il Nido delle Aquile. Die Piste ist insgesamt immerhin 800 Meter lang (planierter Erdboden). Es kann deshalb für Motorflieger eine Option für einen Besuch Apuliens sein. Leider gibt es kein Avgas und der Platz liegt absolut im Nichts, auch schon 35 Kilometer außerhalb der Stadt Bari. Es gibt aber im ca. 15 Kilometer vom Platz entfernten Altamura mehrere Autovermieter.
Wer es schafft, in der Gegend ein Mietauto zu organisieren, kann u.a. auch nach Matera fahren, zu schon zur Region Basilikata gehörenden, berühmten Höhlensiedlungen (eine der ältesten bekannten Städte der Welt).
Brindisi (LIBR)
Ein für die GA nicht sehr sympathischer, aber zumindest passabler Flughafen. Vor allem gibt es stets einen recht schönen Anflug auf den direkt am Meer gelegenen Platz. Insbesondere ist LIBR dann sinnvoll, wenn man (z.B. aus Albanien oder Montenegro kommend) Zoll braucht. Die Gebühren sind so etwa wie in Bari, also knapp 200 Euro, wobei es eben immer etwas von den Details abhängt. Der passabelste Handling-Agent ist wohl Skyservice; dort gibt es auch ein wenig AOPA-Rabatt. Es wird aber seitens des Airports hier auch hier gerne versucht, eine Abfallentsorgungsgebühr abzurechnen. Wie immer mit zunehmender Anzahl an Passagieren gehen die Gebühren noch mal etwas in die Höhe. Immerhin: es gibt Avgas 100LL (Stellplatz 102), leider aber oft mit viel Verzögerung, weil der Airline-Kundschaft bei der Betankung Priorität eingeräumt wird. Außerdem gibt es eine Extra-Betankungsgebühr. Wie quasi immer in auf Großplätzen in Italien gilt: vorher per Email anmelden, hier bei Sky Services. Da es nur wie immer nur sehr wenige GA-Parkpositionen gibt, kommt es manchmal auch hier zu Ablehnungen, vor allem von April bis September. Manchmal kann man bei solchen Parkproblemen, oder auch für touristische Hilfe, wohl Hilfe bei dem kleinen Rundflugunternehmen „Volare in Salento“ bekommen (Kontakt ist Diego, Tel. +393356498064, diego@provinzano.it).
Mietwagen aller Couleur sind vorhanden; der Platz wird u.a. von Ryanair genutzt. Die Stadt Brindisi ist insgesamt nicht so sehr sehenswert, aber für einen Tag oder Abend natürlich ok. Dafür gibt es in der weiteren Umgebung eine ziemlich sehenswerte Stadt: Ostuni. Der Ortskern ist auf drei Hügeln gelegen. Sie hat sehr viel Geschichte zu bieten. Die wichtigste Attraktion von Ostuni ist die hervorragend erhaltene Altstadt mit ihrem Gewirr von Gassen und Stiegen zwischen den typischen weiß gekalkten Häusern. Auch Locorotondo ist sehr interessant.
Wer den Platz Brindisi meiden möchte und mit nicht allzu langen Pisten klarkommt, hat noch eine Alternative: Knapp 20 Kilometer südlich gibt es den Platz Antares, welches die Heimat des Aeroclub Brindisi (nur UL) ist. Die Piste ist 500 Meter lang, fest und eben und ohne Hindernisse. Den weiteren Bodentransport muss man allerdings organisieren, da der Platz ziemlich im Nichts liegt. Achtung: gemäß offizieller Avioportolano-Datenbank ist dieser Platz kein Aviosuperficie (mehr), sondern nur noch „Campo di Volo“. Für Motorflieger gibt es im Raum Brindisi nur noch das Aviosuperficie Esperti. Die Piste ist recht gepflegt, aber eben nur 525 Meter lang. Möglicherweise deshalb ist der Betreiber auch Berichten zufolge nicht ganz so gastfreundlich, was externe Motorflugzeuge angeht. Kein Avgas. Aber ein sehr hübsches Clubhaus gibt es.
Taranto
Taranto (deutsch: Tarent) ist immerhin die zweitgrößte Stadt Apuliens, aber touristisch eher wenig besucht. Sie liegt im Westen der Region, am Ionischen Meer. Tarent, wie es auf deutsch heißt, ist ein großer Handelshafen mit recht viel Industrie, einer Schiffswerft sowie einem Marinestützpunkt. Sie hat aber auch Geschichte und touristisch einen gewissen Charakter. Die Altstadt, das „Borgo Antico“, liegt auf einer Insel. Allerdings isrt die Stadt wie so oft in Süditalien etwas chaotisch und ungepflegt. Insbesondere westlich von Tarent gibt es kilometerlange Sandstrände.
Der Flughafen, Taranto-Grottaglie (LIBG) ist ein riesiger und dennoch sehr stiller Platz. Da es keinen Linienverkehr gibt, gibt es leider auch keine Mietwagenstation am Platz. Auch hier: kein Avgas. Wie immer: PPR machen. Leider sind die Gebühren auch hier sehr hoch (mehrere hundert Euro) – irre, aber wahr. Wichtig: über der Stadt Taranto und westlich davon über der See liegt großräumig eine Flugverbotszone, die LI-P27. Unbedingt beachten! Darüber hinaus viele Beschränkungsgebiete. Nördlich von Taranto gibt es außerdem noch die riesige Kontrollzone des Militärflughafens Gioia del Colle (LIBV).
Eher einen Tick näher an der Stadt gelegen als LIBG gibt es noch den Platz Monticchio, auf dem Gebiet der Ortschaft Pulsano. Die Erdpiste ist eben und 600 Meter lang. Ca. fünf km bis zum Strand. Achtung: gemäß offizieller Avioportolano-Datenbank ist dieser Platz kein Aviosuperficie (mehr).
Weitere Plätze
Der Flugplatz der „Tenuta Tannoia“ (siehe auch „Avioresorts“) liegt nahe der Stadt Andria. Zum einen ist dieser Platz zum Übernachten und zum Abendessen sehr gut, zum anderen ist er ideal für eine Besichtigung des berühmten Staufer-Schlosses Castel del Monte (UNESCO-Weltkulturerbe), welches nur ca. 5 Kilometer entfernt liegt (die 5km gelten, wenn man genau weiß, wie man „querfeldein“ zu gehen hat; siehe google maps in der Satellitenansicht). Auch wenn man nicht auf der Tenuta übernachtet, stellt der Betreiber gegen Gebühr ggf. ein Auto oder E-Bikes bereit. Selbst etwas Avgas kann bei Bedarf organisiert werden. Mogas ist sowieso meist vorhanden. Die Piste – welche in Olivenhaine eingebettet ist – ist lang, aber nicht so sehr gepflegt, also etwas holprig. Vielmehr aber noch: sie hat stellenweise mächtig Höhenprofil; es gibt zwei hohe Wellen. Man sollte versuchen, beim i Startlauf und der Landung diese Wellen unbedingt zu meiden. Insbesondere die ersten 300 Meter der 12 haben spürbares Höhenprofil und sollten daher gemieden werden – der verbleibende Teil der Piste ist ja lang genug. Übrigens: direkt neben der Tenuta Tannoia gibt es noch einen weiteren Gasthof mit Restaurant, die Masseria Zucaro; Berichten zufolge sehr herzlich und daher der Tenuta Tannoja selbst ggf. sogar vorzuziehen. Achtung: gemäß offizieller Avioportolano-Datenbank ist dieser Platz ebenso leider kein Aviosuperficie (mehr), darf also genau genommen nur noch von ULs genutzt werden.
Das Hotel Laurito ist kein Agriturismo o.ä. sondern schlicht ein Hotel / Wellness-Resort, im südlichen Apulien, zwischen Brindisi und Taranto, welches eine Privatpiste (540 Meter) mit dem Namen „AliPuglia“ hat. Diese liegt direkt nebenan, ist aber leider nur als „Campo di Volo“ und damit nur für ULs zugelassen. Neben einem Restaurant gibt es hier viel Wellness (Schwimmbäder und Saunen) sowie vielerlei Outdoor-Aktivitäten. Siehe auch „Avioresorts“.
Zuletzt noch ein Flugplatz, der eigentlich der nicht in der Region Apulien liegt, aber doch irgendwie im weitesten Sinne dazugezählt werden kann, und zwar das Aviosuperficie Falcone in Lavello. Dieses liegt ca. 40 Meilen westlich des Flughafens Bari, und somit schon knapp in der Region Basilikata. Zwar liegt der Platz somit ziemlich im „Nichts“, aber wird von einem sehr freundlichen Ehepaar geführt. Die Graspiste ist ca. 700 Meter lang. Mogas ist eigentlich immer vorhanden oder wird bereitwillig besorgt. Rosa, die Dame des Hauses, bereitet ein wunderbares Mittagessen. Angelo besorgt Sprit und hilft bei Bedarf mit Taxi oder Unterkunft in der Gegend. Kurzum: ein Platz der alten Art, wie es sie leider auch in Italien nicht mehr so viele gibt.
Avgas Tanken ist Apulien und Umgebung…
… ganz offiziell und zuverlässig gibt es Avgas in Apulien im was die Gebühren angeht sehr teuren Foggia (LIBF), also ganz im Norden der Region, sowie in Brindisi (LIBR) und – seit Sommer 2023 – auch wieder in Bari (LIBD). Leider sind eigentlich alle diese Airports insbesondere für reine Tankstopps viel zu teuer. Am Aviosuperficie Corte, südlich von Lecce, gibt es ggf. auch etwas Avgas, allerdings ist dort eine vorherige Absprache von Nöten. Vor allem bekommt man auf vorherige Anfrage außerdem Avgas in Lecce-Fondone (LINK). In Richtung Westen aus Apulien hinausfliegend kann man problemlos Avgas am Aviosuperficie SibariFly bekommen. In Richtung Norden war das kroatische Dubrovnik früher ein beliebter Tankstopp; allerdings seit 2020 kaum noch, weil die Gebühren dort so stark erhöht wurden. Wer es reichweitenmäßig schafft, fliegt nach Brac (LDSB). In Richtung Südosten kommt von Apulien aus dann ja schon recht bald der Platz von Korfu (LGKR) in Griechenland, welcher allerdings ebenso ein sehr teurer Flughafen geworden ist; auch das Avgas ist dort teuer.
