Sizilien, die größte Insel im Mittelmeer mit ihrem Wahrzeichen, dem Ätna, hat – trotz oder gar wegen – ihrer großen Entfernung eine ganz besondere Wirkung auf Privatpiloten aus dem Norden Europas.

Bis hierhin will es fast jeder ambitionierte Privatpilot zumindest einmal geschafft haben. Auch ich war schon drei mal in Sizilien unterwegs und möchte ein paar persönliche Tipps weitergeben.
Die Hauptflughäfen von Sizilien sind: Palermo-Punta Raisi (LICJ) im Nordwesten, Catania-Fontanarossa (LICC) im Osten, Trapani (LICT) im äußersten Westen, sowie – seit einigen Jahren – Comiso (LICB) ganz im Südosten. In diesem Zusammenhang sollen auch die Flughäfen der genau genommen natürlich nicht zu Sizilien gehörenden Inseln Lampedusa (LICD) und Pantelleria (LICG) erwähnt sein; beides Inseln, die durchaus ihre Reize haben (siehe weiter unten). Auf den nördlich Siziliens gelegenen Liparischen Inseln hingegen gibt es leider keine Flugplätze.
Die oben genannten Flughäfen sind aber, vor allem Catania und Palermo, alles in allem sicher nicht der Traum eines Privatpiloten: Relativ hohe Gebühren, PPR-Pflicht, lange Wege, usw. prägen diese Plätze, so dass man sie eigentlich nur nutzt, wenn es keine sinnvolle Alternative gibt. Diese kommt, wie so oft, auch in Form der „Aviosuperfici.“ Hier seien schon mal genannt: Ragusa (Eremo della Giubiliana), Caronia (Minotaurus e Medusa), Avola (Gallina), Ramacca, Calatabiano-Etnavolo, Marina di Modica und Salemi (Bovarella). Alle diese Plätze haben keinen ICAO-Code, wohl aber Pisten von mindestens 500 Metern.
Landschaftliche Highlights für Piloten bietet Sizilien viele. Klassiker sind die Ätna-Umrundung (siehe unten) und der Überflug der Stadt Taormina; überhaupt ist die Ostküste Siziliens sehr reizvoll. Ebenso gut hat mir die gesamte Nordküste gefallen. Und auch die vielen alten sizilianischen Bergdörfer und -städtchen im Innern der Insel sind sehr schön von oben zu betrachten.
Luftraumtechnisch gibt es nicht allzu viele Besonderheiten in Sizilien. Genannt sei aber die recht stattliche (und vom Boden bis unendlich reichende) LI-P31, welche im Osten Siziliens liegt und Flüge entlang der Küste zwischen Catania und (südlich davon) Siracusa unmöglich macht.
Palermo: Punta Raiso vs Boccadifalco
Eins vorweg: Palermo ist zwar etwas chaotisch und teilweise dreckig, aber dennoch sehr sehenswert (etwas mehr als z.B. Catania). Highlights sind die Kathedrale, der Palazzo Reale/Normannenpalast (außen und innen!) und viele weitere Prachtbauten. Auch die Piazza Quattro Canti ist ein Highlight. Die Stadt ist seit dem frühen Mittelalter arabisch und später normannisch geprägt worden und war unter anderem die Residenzstadt von Friedrich II.
Außerdem kann man in Palermo auch Strandurlaub machen, und zwar z.B. an der schönen Spiaggia di Mondello, nur ein paar Kilometer nördlich der Stadt. Von Palermo aus kann man auch die kleine Insel Ustica besuchen. Auch das stark gehypte Cefalù (das leider keinen wirklichen Flugplatz in der Nähe hat, kann man von Palermo aus besuchen (ca. 1,5 Stunden mit dem Zug).
Wenn man nun nach Palermo oder in die Gegend von Palermo will, gibt es grundsätzlich zwei Landemöglichkeiten: Den großen internationalen Verkehrsflughafen Punta Raisi (LICJ), der ca. 20 Kilometer westlich der Stadt liegt oder den zentralen Stadtflugplatz Boccadifalco (LICP).
Zunächst einmal bietet sich natürlich Boccadifalco (LICP) aufgrund seiner Stadtnähe und der Präsenz des Aeroclub Palermo an. Der Platz ist zwar PPR; im Gegensatz zu früher, als der Platz noch vom Militär genutzt wurde, braucht es aber keine langwierigen Genehmigungen mehr, sondern es reicht das Ausfüllen und Verschicken eines (leider etwas langen) Formulars (siehe Website des Clubs).
Bei weiteren Fragen kann man sich an den freundlichen Präsidenten wenden (spricht Englisch):
Fabio Giannilivigni
email: info@aeroclubpalermo.it
Tel: 0039 349 7615818 (whatsapp geht auch). Die Nummer des Clubs: 0039 091 6680785
Was die Gebühren angeht, hat man für eine Landung und eine Übernachtung vor allem aufgrund recht hoher Parkgebühren mit ganz grob ca. 70 Euro zu rechnen, was schon etwas an der oberen Grenze für einen solchen Aeroclubplatz ist. Immerhin kann man den Flieger meist hangarieren. Außerdem verfügt der Aeroclub über Avgas und verkauft dies bei Bedarf auch an Gäste. Preis derzeit (Stand 2025) ca. 3,50 Euro pro Liter. Für Rotax- oder Diesel-Flieger: direkt gegenüber des Aeroclubgebäudes, also wirklich nur wenige Meter entfernt, gibt es eine Straßentankstelle (Q8). Dies ist also ideal um Mogas oder Diesel zu holen. Der Aeroclub stellt dafür Kanister zur Verfügung.
Im Übrigen ist – selbst nach erhaltenem PPR – in der Regel der Funk am Platz nicht besetzt, d.h. es wird blind gefunkt. Davon sollte man sich nicht überraschen lassen. Positionsmeldungen sollen auf der Platzfrequenz 122,6 MHz gemacht werden. Es greift hier so genannte „TIBA-Verfahren“ (siehe AIP ENR 2.2). Im An- oder Abflug darf man die Stadt Palermo nicht unterhalb von 2500 Fuß MSL überfliegen. Grundsätzlich sollte man die Anflugverfahren (siehe AIP) gut studieren; der An- und Abflug ist aufgrund Luftraumstruktur und Bergen gar nicht so ganz trivial. Zur Landung wird die 17, für den Start die 35 vorgezogen.
Ein Taxi oder UBER ins Zentrum kostet trotz der relativen Nähe trotzdem ca. 30 Euro. Es gibt auch einen Linienbus, der quasi direkt am Flugplatz vorbeifährt, aber mit dem Fahrplan ist es immer so eine Sache.
Wenn man allerdings unbedingt einen IFR-Platz braucht, H24, Zoll, reichlich Jetfuel, oder einen Mietwagen, dann ist Punta Raisi (LICJ) der einzig mögliche Platz der Wahl.
Gemäß AIP ist über den gewählten Handling-Agent PPR beim GESAP Apron Management einzuholen, und zwar für einen Kurzstopp mindestens 2h vor der Landung, und für einen längeren Aufenthalt (max. 72h!) mindestens 12h vor der Landung. Hier auch die direkten Kontaktdaten:
GESAP Apron Service; Tel: 0039 091 7020732/33; Fax: 0039 091 7020726; apronservice@gesap.it
Die Liste der verfügbaren Handling-Agents findet sich wie immer in der AIP. Aersicilia (www.genavia.it) funktioniert gut, ist aber teuer. Fly Service geht auch. Man sollte die Angebote der Handler vergleichen, aber es kostet letztlich immer ein paar hundert Euro, hier zu landen. Jet-Tanken ist jederzeit ohne Voranmeldung möglich. Und: Avgas ist seit einigen Jahren wieder verfügbar (Firma „Nautilus“). Der Preis ist allerdings extrem hoch. Spritbedarf hier vorher bei Nautilus anmelden!
Die Kosten für eine Landung und eine Nacht Parken liegen summa summarum auch hier bei ein paar hundert Euro. Das hängt aber wie gesagt etwas vom jeweiligen Handling Agent ab. Berichten zufolge die ganze Handlingprozedur (auch beim Abflug) etwas kompliziert und zeitaufwändig, was also einzuplanen ist. Der Eingang für die GA ist im EG des Terminals. Dort nach seinem Handling Agent fragen.
Positiv bleibt zu vermerken, dass es vom Flughafen eine gute, schnelle Anbindung an die Stadt mit Zügen und Bussen gibt.
Catania: Parken und Tanken bitte!
Für Catania hingegen gibt es praktisch nur eine Option: den Airport Catania Fontanarossa (LICC). Auch zu diesem Platz gibt es ein paar nennenswerte Besonderheiten. Wie an praktisch allen italienischen Großflughäfen ist für das Landen und das Parken schriftliches PPR und auch ein Handling-Agent notwendig. Siehe zu diesen ganzen Vorschriften und Einschränkungen natürlich die AIP. Außerdem ist zumindest offiziell vom Airport kein Avgas verfügbar.
Zu diesen beiden Punkten Folgendes: leider werden Parkanträge gelegentlich wegen angeblichen Platzmangels abgelehnt. Das Parken auf der Fläche des Aeroclub Catania (quasi als „Gast“ dort) war früher Standardlösung, wenn man vom Airport-Operator bezüglich des Parkens abgewiesen wurde. Meines Wissens funktioniert dies leider seit ein paar Jahren in der Regel nicht mehr. Man kann es aber als Plan B weiter probieren.
Dennoch: insgesamt recht gute Erfahrungen haben viele mit dem Handling-Agent „Fly Service“ gemacht. Auch „VIP Aviation“ ist überhaupt nicht so teuer, wie es sich anhört. Insgesamt muss man gebührentechnisch mit einer Nacht Parken und einem Passagier mit ein paar hundert Euro rechnen.
Zum Thema Avgas: Dies bekommt man nach wie vor nur vom Aeroclub Catania. Natürlich nicht billig. Am besten man meldet den Bedarf vorher telefonisch beim Aeroclub an und klärt die Öffnungszeiten (Fly Service hilft auch bei der Koordinierung). Bezahlen geht mit Cash aber auch mit Kreditkarte. Es funktioniert wirklich (zuletzt im September 2024 bestätigt).
Catania ist nicht ganz so monumental wie Palermo, aber dennoch sehenswert. Insbesondere aus der Zeit der römischen Herrschaft gibt es noch einige Monumente, wie z.B. die Arena und die Therme. Außerdem sind die Strände Ostsiziliens nahe.
Comiso (LICB)
2013 hat im Südosten der Insel der Flughafen „Comiso“ eröffnet. Dieser hat sich seitdem auch für Privatpiloten als sehr brauchbare Alternative zu Catania und für den Südosten der Insel herausgestellt. Anmeldung mittels eines langen Formulars erwünscht. Es gibt auch hier leider nur Jetfuel; kein Avgas oder Mogas. Die Gebühren liegen in Summe bei ca. 120 Euro.
Luftraumtechnisch wurde um den Flughafen herum ein Sektor der CTR Catania („Catania 2 CTR“) gelegt, d.h. es gibt keine eigene „Comiso CTR“ und auch die Anflugkontrolle wird von Catania übernommen.
Dank einiger weniger Linienverbindungen gibt es auch einfache Verpflegung am Platz sowie vor allem Mietautos, etc. Dank der Mietwagen ist Comiso letztlich für diejenigen, die eine lange Asphaltpiste vorziehen ein guter Tipp, um den sehr sehenswerten Südosten der Insel, mit Orten wie Scicli und Siracusa bzw. Ortigia zu erkunden. Comiso selbst ist nichts so Besonderes.
Trapani-Birgi (LICT)
Um den Westen Siziliens zu erreichen, ist (es sei denn, die 500-Meter-Piste von Salemi ist ausreichend) der Flughafen von Trapani geeignet. Dieser ist gemischt zivil-militärisch, das Ganze läuft aber recht reibungslos nebeneinander ab.
PPR ist (mit 24 Stunden Vorlauf) einzuholen bei „AIRGEST“.
Der Flughafen liegt ca. auf halber Strecke zwischen den Städten Trapani und Marsala. Aufgrund der (meist recht starken) vorherrschenden Winde ist in der Regel die 31L in Betrieb. Außer dem Militär gibt es hier eine ganze Reihe Ryanair-Flüge. An der Parkposition gibt es keine Ösen, das Personal beschafft aber wenn gewünscht zumindest ein paar Gewichte, um das Flugzeug festzuzurren. Leider gibt es kein Avgas, sondern nur Jet-A1 (aufgrund hookup-fee und Kleinmengenzuschlag allerdings teuer). Das Personal von Airgest ist freundlich und recht kompetent. Die Gebühren in LICT für Landung mit Zweitonner und einem Tag Parken sind mittlerweile leider auch recht hoch; ca. 170 Euro. Zumindest weiteres Parken ist nicht teuer, so dass ein z.B. einwöchiger Urlaubsaufenthalt dort nicht viel teurer ist. Das Handling ist auch beim Abflug meiner Erfahrung gemäß recht flott und problemlos. Mietautos gibt es in jeder Couleur. Aber unbedingt vorher buchen (es reicht auch ein Tag), dann sind die Preise sehr ordentlich.
Zum Touristischen: In unmittelbarer Nähe von Trapani und Marsala gibt es keine besonders schönen Strände, aber ca. 40 Autokilometer nördlich des Platzes findet man in dem Ort San Vito Lo Capo einen Traumstrand mit türkisblauem Meer und vor allem einer besonderen Bergkulisse dahinter. Einzigartig Unbedingt für einen Aufenthalt zu empfehlen, speziell von Mitte September bis Mitte Oktober. Außerdem recht sehenswert ist die alte Stadt Érice, die auf einem 750 Meter hohen Berg oberhalb von Trapani liegt. Trapani selbst ist abgesehen von ein paar sehr schönen barocken Straßenzügen im Stadtkern nicht so sehr interessant; Marsala wohl eher noch weniger. Um Richtung Süden schöne Strände zu finden, muss man wohl mindestens bis Tre Fontane fahren. Für Kulturinteressierte empfehlen sich die Tempelbauten von Selinunte und Agrigento.
Vor allem aber ist Trapani das Sprungbrett, um von dort aus die schönen Ägadischen Inseln (Favignana, etc.) vor der Westküste Siziliens zu besuchen.
Ragusa – Eremo della Giubiliana
Dieses Aviosuperficie verdient kurz einer gesonderten Erwähnung: Es handelt sich hierbei um einen exklusiven Privatplatz bei Ragusa im Süden von Sizilien, wobei zu der Anlage ein exklusives 5-Sterne Hotel („L’Eremo della Giubiliana“) gehört. Die Webseite mit vielen weiteren Informationen lautet:
https://www.eremodellagiubiliana.it/
Die Piste ist, obwohl asphaltiert und knappe 700 Meter lang, aufgrund der Topographie und der mikroklimatischen Bedingungen sehr anspruchsvoll. Gelandet wird ausschließlich auf der 07; gestartet wird auf der 25. Leider hat es in der Vergangenheit zwei tödliche Unfälle gegeben (das Problem ist eher die Landung, nicht der Start, zumal im Tagesverlauf der Wind meist von Westen kommt). Daher ist der Chef, Salvatore Mancini, recht restriktiv, was Landegenehmigungen für Flächenflugzeuge angeht, insbesondere, wenn es sich um schnelle und schwere Reisemaschinen handelt. Man muss ein längeres Formular ausfüllen. Außerdem werden mittlerweile wohl satte 500 Flugstunden Erfahrung des PIC gefordert. Mit einer C172 hat man ganz gute Karten, noch besser ist ein STOL-fähiges Flugzeug oder natürlich ein UL. Idealerweise kommt man früh morgens oder spät abends. Wenn man erstmal da ist, kann man auf Anfrage hier Mogas bekommen; es gibt sogar eine Nachtflugbeleuchtung! Auch Avgas ist wohl in kleinen Mengen möglich.
Aber Vorsicht: der Flugplatz Ragusa-Giubiliana liegt knapp innerhalb der CTR des nahe gelegenen Flughafens Comiso (Details siehe weiter unten). Daher muss man stets eine Freigabe von Catania Approach für alle entsprechenden Flugbewegungen einholen.
Insgesamt ein sicherlich sehr interessanter Platz mit einem hochwertigen und besonderem Hotel. Es sei allerdings gesagt, dass ich persönlich die vom Hotel angebotene Leistung damals (ist schon länger her) im Verhältnis zu den doch ziemlich hohen Preisen bei meinem Besuch als nicht herausragend genug empfunden habe. Außerdem halte ich (obwohl ich für die Vorsicht des Eigners natürlich ein gewisses Verständnis habe) die recht willkürlich wirkende Auswahl der „Landeberechtigten“ für schlecht.
Den Eindruck meines Besuchs habe ich in meinem Reisebericht „Eine Stiefelrunde“ (siehe „Impressionen“) geschildert.
Weitere Aviosuperfici
Alle folgenden Plätze finden sich nicht in der AIP oder im Jeppesen, dafür aber im Avioportolano und in Skydemon.
Caronia („Minotauraus e Medusa“)
Dieser Platz (Aviosuperficie) an der Nordküste Siziliens ist ein Highlight (siehe meinen Reisebericht „Eine Stiefelrunde“ unter „Impressionen“), denn man landet direkt parallel zum Strand. Die Piste ist insgesamt 800 Meter lang, hat allerdings Hindernisse in den Anflugsektoren. Man kann direkt neben der Piste parken und baden, allerdings ist der Strand dort ziemlich grobsteinig. Der Besitzer (Gaetano) ist sehr freundlich und wenn er Zeit hat mit Vielem (Tanken, Mittagessen, Unterkunft) behilflich. Es gibt allerdings eine Lande- und Parkgebühr. Auch Campen kann man am Platz (Wasser, Duschen und Toiletten vorhanden). Abgesehen davon gibt es vor Ort nicht viel (auch keinen Supermarkt) und man ist etwas im „Nichts“. Es gibt aber für Piloten Rabatt in dem wunderschönen Agriturismo „Villa Nicetta“; es liegt ein paar Kilometer vom Platz entfernt, aber Gäste werden auf Anruf vom Platz abgeholt.
Aviosuperficie Albatros
Etwas weiter westlich dieses Platzes, ebenfalls direkt an der Nordküste Siziliens, gibt es noch diesen Platz nahe Termini Imerense. Die Piste ist offiziell 460 Meter, de facto knapp 520 Meter lang. Von hier sind es ca. 20 Kilometer bis in den bekannten Ort Cefalù.
Marina di Modica (LICV)
Außerdem empfiehlt sich ganz im Süden der Insel dieses Aviosuperficie, das ebenfalls sehr nah am Strand liegt. Die Piste ist insgesamt 770 Meter lang (Erdboden), aber an beiden Enden sind die Anflüge nicht ganz hindernisfrei. Von dort ist die sehr schöne alte Stadt Scicli nicht weit entfernt. Außerdem gibt es es nur zwei Kilometer vom Platz natürlich den Strand von Marina di Modica. Direkt am Platz befindet sich ein großes Restaurant mit Pool, etc. („L’Oasi del Re“); dieses ist aber eher auf große Events wie Hochzeiten etc. ausgerichtet; inwiefern es dort einen regulären Tagesbetrieb gibt, weiß ich nicht. Es werden vom den freundlichen Betreibern des Platzes soweit möglich auch Mogas und Hallenplatz angeboten. Ggf. sogar ein Auto. Es wird um Anmeldung gebeten, um assistieren zu können. Vom nur ein paar Kilometer östlich aus gelegenen Pozzallo fahren sehr regelmäßig Fähren nach Malta (für diejenigen, die sich die Gebühren etc. von LMML nicht antun wollen). Hinweis: die den Platz umgebende und bis zum Boden reichende LI-R ist wird nur gelegentlich per NOTAM aktiviert.
Calatabiano-Etnavolo (LICN)
Ein absolutes Sizilien-Highlight ist dieses Aviosuperficie direkt an Fuße des Ätna mit angeschlossenem, nur ein paar Schritte oberhalb des Platzes liegendem Agriturismo (siehe „Avioresorts“). Hier (beim Agriturismo) bekommt man auch Hilfe beim Organisieren eines Mietwagens, um in das gut 10 Kilometer entfernte Taormina zu fahren, bzw. es werden auf Wunsch auch geführte Touren zum Ätna organisiert. Leider ist die Piste in Calatabiano für viele Echo-Klasse Flieger etwas marginal, denn sie ist nur exakt 500 Meter lang und die Oberfläche besteht aus steinigem Erdboden. Dennoch: ich bin hier bereits mit der der SR22 (mit 3 stattlichen Personen an Bord) rein und raus – mit Können und Vorsicht kein großes Problem, denn die An- und Abflüge sind komplett hindernisfrei. Es wird aber stets um PPR gebeten. Keine Landegebühren, aber über Nacht Parken kostet ein paar Euro. Man kann für kleinere Flugzeuge ggf. einen Hangarplatz bekommen. Hinweis: der Platz wird teilweise auch unter dem Namen „Triavio“ geführt. Mogas kann man meist auch bekommen. Besonders empfehlen möchte ich neben Taormina selbst auch einen Besuch dortigen Strandes bei der Isola Bella. Besonders hervorgehoben wird der schöne Ätna-Blick von der Terrasse des etwas außerhalb von Taormina gelegenen Hotels Villa Sonia. Hier der Link zu einem Autovermieter in der Gegend: https://pulvirenticarservice.it/; es gibt aber noch weitere auch direkt in Taormina.
Avioclub Siracusa
Noch kürzer ist die zwar asphaltierte, aber letztlich dennoch nur 400 Meter lange Piste des Aviosuperficies der wunderschönen historischen Stadt Siracusa. Sie liegt vier Kilometer südwestlich der Altstadt und beheimatet einen recht aktiven UL-Club. Wer damit klarkommt, sollte hier unbedingt landen und Siracusa/die Insel Ortigia besichtigen. Beim An- und Abflug muss man allerdings auf die LI-P31 achten, aufgrund der auch Überflüge der Stadt kaum möglich sind.
Gallina/Avola
Eine sehr gute Alternative besteht im Aviosuperficie Gallina in Avola. Dieses liegt 15 Kilometer südwestlich von Siracusa, nur einen Kilometer vom Meer entfernt. Die Piste wurde 2012 privat geschaffen; Gäste sind mit Voranmeldung sehr willkommen. Sie ist ebenfalls 630 Meter lang und gepflegtes Gras. Allerdings ist die Schwelle der 09 wegen einer Stromleitung quasi direkt an eben jener Schwelle nicht hindernisfrei, daher ist die Landung eher auf der 27 und der Start eher auf der 09 empfohlen. Weitere Informationen (auf Italienisch) sowie Kontaktdaten (Renato Palmeri, der nette Betreiber, der auch Englisch spricht) gibt es hier (oder auch im Avioportolano). Nicht nur für einen Besuch von Siracusa eignet sich der Platz; auch die sehr schönen Strände dieses Küstenabschnitts sind nicht weit (Gallina: 1 km, Fontane Bianche: 4 km). Auch das ein paar Kilometer inländisch gelegene Städtchen Noto gilt als sehenswert. Renato, der privat eine Tecnam P2006 fliegt, hilft auch beim Thema Mietwagen, Unterkunft und Benzin. Wenn man Glück hat, wird auch noch ein Platz für den Flieger in seinem Hangar gefunden
Salemi / Bovarella
Dieses Aviosuperficie (500 Meter ebene Piste) liegt im westlichen Hinterland Siziliens. Wesentliche Punkt: hier gibt es möglicherweise Avgas (vorher abklären!).
Agrigento
Auch die südsizilianische Stadt Agrigento hat ein kleines Aviosuperficie; leider aber auch hier nur mit einer Piste von 500 Metern verdichtete Erde. Für viele leider etwas wenig – schade, denn bei Agrigento liegt das Tal der Tempel, wo man die am besten erhaltene griechischen Tempelanlagen auf heute italienischem Boden besichtigen kann. Von Comiso, Trapani und Palermo aus ist es schon recht weit hierher.
An diesen vorgenannten Aviosuperfici werden Sie mit Sicherheit (wie eigentlich immer auf solchen Plätzen) viel Freundschaft, Gelassenheit und Gastfreundlichkeit, dafür umso weniger Landegebühren, Bürokratie und Sicherheitskontrollen finden!
Pisten nur für UL-Piloten (Campi di Volo)
Genannt seien hier insbesondere die Plätze Capo d’Orlando (direkt am Strand des sizilianischen Nordens liegend) und Val di Noto (nahe der sehenswerten Stadt Noto), sowie der Platz Sciacca (ca. 300 Meter vom traumhaften Strand; im Süden der Insel).
Stichwort „Ätna-Umrundung aus der Luft“
Ein Erlebnis der besonderen Art ist Umrundung des Gipfels des aktiven Vulkans Ätna im Osten der Insel, knapp nördlich von Catania gelegen. Leider ist es relativ selten, dass der Gipfel frei von Wolken ist. An anderen Tagen weht womöglich ein zu starker Wind. Oder der Vulkan ist einfach zu aktiv um mal eben am Schlund vorbeizuschauen. Doch wenn man wettertechnisch Glück hat, steht einem Ätna-Rundflug nicht viel im Wege.
Zur Luftraumstruktur: direkt über dem Hauptschlund liegt eine kleine LI-P. Die muss man natürlich unbedingt meiden, was aber recht einfach ist. Zweitens beginnt die Catania CTR dort ab FL130. Dort sollte man drunter bleiben. Drittens allerdings gibt es seit ca. 2017 in Italien im ganzen Land einen „Deckel“ kontrollierten Luftraums, der hier in FL105 liegt. Unterhalb dieser Höhe kann man also „frei fliegen“. Wer aber mal richtig in den Krater schauen möchte, muss etwas über FL105 steigen und daher eine Freigabe von Roma FIS einholen.
Außerdem bleibt zu bedenken, dass der Gipfel (wo selbst im Sommer noch Schnee liegt) auf über 10000 Fuß liegt, d.h. hier reden wir von gerne mal 12000-13000 Fuß Dichtehöhe! Unter „Downloads“ finden Sie meinen Aerokurier-Reisebericht von einer Italien-Reise, bei der ich den Ätna umflogen habe.
Pantelleria (LICG)
Pantelleria ist eine Vulkaninsel, ist sehr grün (Kapernanbau überall) und ruhig, somit eher was für Naturfreunde. Es gibt auch keinerlei Sandstrände. Dafür gibt in den Bergen eine interessante Natursauna, sowie im Zentrum der Insel einen interessanten See (Lago di Venere). Außerdem viel Militär. In der Tat spürt man hier starke afrikanische Einflüsse, insbesondere in der Küche (man isst eher Couscous anstatt Pasta!). Mal ein etwas anderes Ziel; das meine ich eher positiv.
Der Flughafen (LICG) liegt im Westen der Insel auf einem Hochplateau und ist gemischt militärisch-zivil genutzt. Daher ist eine PPR-Prozedur notwendig. Dieses ist laut AIP schriftlich zu beantragen, mindestens 48 Stunden vorher Die erhaltene PPR-Nummer muss dann in Feld 18 des Flugplans eingetragen werden.
Der Platz ist täglich (allerdings nur tagsüber) geöffnet und hat IFR-Verfahren (allerdings seit 2018 kein ILS mehr). Zollabfertigung ist mit separatem Vorab-Antrag möglich. Es gibt sowohl Jet-A1 als auch Avgas; letzteres kostet aktuell (2026) allerdings ca. 4,10 Euro (die Firma heißt „Nautilus Aviation“). Der Platz ist insgesamt nicht so sehr gut auf GA eingestellt und etwas umständlich, aber die Gebühren für eine und Nacht Parken mit einer Einmot sind mit ca. 70 Euro sehr erträglich; das gilt auch für weiteres Parken. Achtung: Es geht sehr oft ein recht starker Wind aus Südost (Scirocco), in Anflug kann es daher turbulent sein. Im Übrigen steht in der AIP etwas von einer Special Pilot Qualification; soweit ich weiß wird dies aber nicht auf die General Aviation angewendet.
Lampedusa (LICD)
Lampedusa ist in optischer Hinsicht im Gegensatz zu Pantelleria eher ein karger, ziemlich kleiner Klotz im Meer (und übrigens auch der südlichste Punkt Italiens). Dafür sind die Menschen tendenziell (zumindest nach meiner Erfahrung) aufgeschlossener als auf Pantelleria. Überhaupt ist die Insel insgesamt touristischer. Speziell an der Südküste gibt einige sehr schöne Strände, allen voran den bei der „Isola dei Conigli“ (welcher übrigens gemäß Trip Advisor Ranking der schönste Strand Europas sein soll – ich war schon dort und finde das vielleicht etwas übertrieben, aber das ist ja auch Geschmackssache). Außerdem ist angenehm, dass man vom Flughafen problemlos in fünf Minuten (zu Fuß!) den Hauptort erreichen kann oder eben Taxi für 10 Euro). Aber eins sei klar: außer am Strand zu liegen, zu baden und Fisch zu essen (z.B. bei der Trattoria „La Cambusa“) kann man hier nicht so viel machen. Von den Flüchtlingsbooten, die regelmäßig aus Afrika kommend anlanden, bekommt man übrigens meist gar nicht viel mit.
Der Flughafen ist ebenfalls nur tagsüber geöffnet. Er ist aber im Gegensatz zu Pantelleria rein zivil, daher ist auch die PPR-Prozedur deutlich einfacher. Genau genommen ist PPR sogar nicht streng erforderlich, aber eine Anmeldung wird dennoch gern gesehen (apron@astaeroservizi.com). Auch dieser Platz ist IFR, auch ohne ILS. Und Achtung: da Lampedusa innerhalb der Malta FIR liegt, braucht man auch für Flüge zwischen „Italien“ und Lampedusa stets einen Flugplan.
Wegen etwaiger Einschränkungen für die GA sollte man natürlich stets die aktuelle AIP und die aktuellen NOTAMs checken. Vor allem gibt es – kein Witz – wg. Schiffen im Hafen vormittags teilweise Uhrzeiten, an denen Flächenflugzeuge nicht landen oder starten dürfen!
Seit ein paar Jahren gibt es neben Jetfuel auch 100LL; für Letzteres sollte man aber trotzdem vorher anfragen und ggf. die benötigte Menge vormerken lassen (es werden kleine und größere Fässer verkauft, zu sehr hohen Literpreisen). Die Flughafengebühren für Landung und eine Nacht Parken liegen bei ca. 90 Euro.
Von Lampedusa aus kann man auch die noch kleinere und nördliche gelegene Insel Linosa besuchen. Lampedusa und Linosa zusammen bilden die so genannten „Pelagischen Inseln“.
Noch mal abschließend zum Thema „Avgas“
Dieses zu Tanken ist – zusammengefasst – in Sizilien möglich in Palermo Punta Raisi LICJ, in Palermo-Boccadifalco LICP, in Catania LICC (beim Aeroclub, siehe oben) und ggf. in Salemi sowie am Eremo della Giubiliana. Alternativ bietet sich das Tanken im nahen Reggio Calabria LICR oder vor allem in Sibari LINV an. Auch Pantelleria LICG und Lampedusa LICD haben, wie oben beschrieben, (teures) Avgas.
