Flugziele/Venedig
Venedig

Venedig - die Stadt der Verliebten...und nicht nur...

Auch fast alle Privatpiloten, die erstmalig Italien mit dem Flugzeug bereisen, planen einen Stopp in Venedig ein. Auch für einen spontanen Wochenendflug ist für Süddeutsche Venedig keineswegs zu weit: von sagen wir mal Augsburg aus beträgt die Flugzeit mit einer 172er nur ca. zweieinhalb Stunden. Daher sollen hier die vier Landealternativen mit ihren Vor- und Nachteilen einmal genau erläutert werden.

Vorab folgende Info: Die CTR Venezia hat sich im Juli 2011 leicht verändert: Der Sektor "CTR2", welcher sich südlich von Venezia erstreckt, hat jetzt eine Untergrenze von 1500 und nicht mehr 2000 Fuß. Außerdem haben sich die Namen der Meldepunkte geändert. Bitte daher unbedingt aktuelles Kartenmaterial zu Rate ziehen.( Die Jeppesen VFR/GPS-Karte "LI-1" von 2012 ist im Januar 2012 erschienen.

Venezia Lido (LIPV) (früher: Venezia San Nicolò)

Der "Stadtflugplatz" auf dem Venedig vorgelagerten Lido liegt nur ein paar Kilometer südöstlich der Stadt. Seitdem 2007 das neu renovierte Flughafengebäude in Betrieb genommen wurde, heißt der Platz nun nicht mehr "San Nicolò" sondern einfach nur "Lido". Die Website findet man hier. Der Platz ist bekannt für seine einzigartige Lage, den traumhaft schönen Anflug und die interessante infrastrukturelle Anbindung an Venedig mittels Fähre. Der Platz ist täglich geöffnet (durchgehend), außer montags (im Sommer ist der Platz meist auch montags geöffnet, daher NOTAMs checken!). Es ist kein PPR für die Landung notwendig. Avgas ist vorhanden und seit einiger Zeit gibt es auch Jetfuel. Seit 2010 gibt es auch wieder die Möglichkeit, mit Voranmeldung (siehe hier) Zoll zu machen (kostet nur 10 Euro extra). Man sollte aber auf jeden Fall die NOTAMs checken.

2011 wurden sämtliche veröffentlichten VFR-Strecken im Bereich der Venezia-CTR abgeschafft. Allerdings gibt es nach wie vor einige VFR-Meldepunkte, welche nun größtenteils auch Standard-Bezeichnungen haben (November, Sierra, Whiskey, etc.). Den An-bzw. Abflug sollte man selbstverständlich anhand dieser Wegpunkte planen. Von Norden kommend ist Insbesondere der Anflug November und dann mit einem Midfield Crossing über des Flughafens Tessèra (LIPZ) sehr interessant. Von Süden wird meist über Sierra 2 (Chioggia) und Porto di Malamocco geflogen.

Wenn man mit Y-Plan nach Lido gefilt hat, fliegt man (es sei denn man cancelt schon vorher) ein Cloudbreaking-Verfahren (siehe Kapitel "IFR in Italien") auf dem ILS der Piste 04 von Tessèra (LIPZ, siehe unten); bei Erreichen von VMC cancelt man IFR und fliegt weiter nach LIPV. Ist das Wetter dafür zu schlecht, landet man in LIPZ. Bei einem Start mit Z-Flugplan gibt es ein Verfahren, bei dem eine SID von LIPZ "gejoint" wird (siehe AIP). In beiden Fällen müssen aber in LIPV mindestens 1,5km Sicht und 1500 Fuß Ceiling gegeben sein (oder anders gesagt: trotz dieses Verfahrens sind innerhalb der ATZ von Venezia Lido ausschließlich VFR-Flüge gestattet).

Die Grasbahn ist knapp 1000 Meter lang, fest und eigentlich immer recht ordentlich gemäht. Der Zustand ist Durchschnitt. Das eine Bahnende ist völlig hindernisfrei; am anderen Ende sind ein paar Häuser und Bäume zu überfliegen. Alles in allem kommt man hier mit praktisch allen GA-Fliegern problemlos rein und raus.

Die Gebühren für einen Zweitonner (inkl. 24 Stunden Parken und einem Passagier) liegen bei ca. 35 Euro. Meiner Meinung nach gehört Venezia Lido zu den schönsten Flugplätzen der Welt.

Tipps: Leider ist der Fähranleger "San Nicolò", welcher nur wenige hundert Meter vom Flugplatzausgang entfernt liegt, derzeit praktisch nicht in Betrieb. Man muss daher den Anleger "Santa Maria Elisabetta" anlaufen, entweder zu Fuß (1,5km am Wasser entlang) oder, wenn man Gepäck hat, mit dem Taxi oder dem Bus. Die Fährtickets sind (wie alles in Venedig) nicht ganz billig. Einmal Markusplatz und retour kostet 13 Euro. Alternativ kann man auch für lediglich 4 Euro nur den Sprung nach Santa Elena machen; von dort ist es dann ein sehr schöner Spaziergang entlang dem Wasser bis zum Markusplatz (1,5km). Wenn man mindestens zu viert ist, lohnt sich eventuell gar ein privates Wassertaxi, welches nach Absprache natürlich direkt vom Flugplatz abholt (die Airportcrew ist behilflich).

Und noch was Grundsätzliches: Sehr häufig bekomme ich e-mails mit der Frage, wie man denn bloß, z.B. von Deutschland kommend, durch das unendliche Kontrollzonendickicht Nordostitaliens durchkommt. Nochmal: Diese Kontrollzonen (Treviso/Aviano/Venedig/Ronchi) sind entweder Luftraum Klasse D oder Klasse C. Es ist also zwar ein Freigabe nötig, doch ein wirkliches Hindernis stellen diese für den VFR-Flieger nicht dar. An die (für diese Gegend nach wie vo vorhandenen VFR-Strecken muss man sich nicht unbedingt halten. Geben Sie dem Approach-Lotsen einfach möglichst nachvollziehbar ihre aktuelle Postion und ihre gewünschte Route durch und die Sache wird zu 99% genehmigt (siehe auch den Abschnitt "Luftraumstruktur"). It's easy!

Venezia Tessèra (LIPZ)

Der "große", internationale Flughafen von Venedig, ein paar Kilometer nördlich von Venedig selbst und auf einer Landzunge gebaut. Er bietet im Gegensatz zum Lido massig Asphaltbahn, H24 und natürlich ein ILS, ständigen Zoll und Mietautos. Leider aber kein Avgas. Man kann mit dem Taxi, dem Bus oder - origineller - mit dem Wasserbus (ca. 10 Euro) oder - noch cooler - dem privaten Wassertaxi (ca. 80 Euro) zum Markusplatz fahren.

Um in Tessèra landen und parken zu können, ist ein PPR notwendig, welches nicht immer einfach zu bekommen ist. Die Anfrage ist gemäß AIP mindestens 2h vor der Landung zu stellen an an einen der beiden folgenden Handling-Agents:

1. SAVE S.p.A. General Aviation Service
Tel: 0039 041 2606906/07 Fax: 0039 041 2606909 e-mail: vaviation@veniceairport.it; Freq: 131.57MHz
Website: http://ga.veniceairport.it/Home/tabid/61/language/en-US/Default.aspx

2. Sky Services S.p.A.
Tel. 0039 041 8627070 Fax: 0039 041 2698394 e-mail: vce@skyservices.it; Freq: 131.90MHz
Website: http://www.skyservices.it/index.html (und dann auf "Venice" klicken)

Man sollte idealerweise einen Grund angeben, warum eine Landung in Lido nicht möglich ist (am besten: "A/C unsuitable for grass runway operations") und dass kein Avgas gebraucht wird (am besten PPR-Formular aus dem Bereich "Downloads" nutzen), dann wird nach meiner Erfahrung das PPR problemlos erteilt. Alternativ zu meinem Fax-Formular kann man auch über die o.g. Webseiten entsprechende Online-Formulare ausfüllen.

Gebührentechnisch ist Tessèra gar nicht so sehr schlimm wie hier und da erzählt wird. Für einen Zweitonner muss man mit ca. 130 Euro rechnen (Sky Services ist etwas günstiger als SAVE). Die exakte Aufsplittung der einzelenen kleineren und größeren Gebühren ist wie immer recht abenteuerlich.

Padova (LIPU)

Für viele, insbesondere IFR-fliegende Venedig-Besucher, könnte dies der goldene Mittelweg sein. Der kleine Stadtflugplatz von Padua hat einen LOC/DME Anflug, ist täglich ohne Mittagspause geöffnet, hat Avgas, außerdem Jetfuel und mit PPR auch Zoll (außer am Sonntag, dann ist auch mit PPR kein Zoll möglich). Auch VFR-Night ist hier grundsätzlich möglich. Die Gebühren für einen Zweitonner sind mit ca. 35 Euro erträglich; nur wenn auch Zoll beantragt wurde, kostet es deutlich mehr (dann insgesamt ca. 80 Euro). Da nach Tonnen abgerechnet wird, kostet (wie so oft) alles mit einem Flugzeug unter einer Tonne MTOW deutlich weniger. Leider ist die Prozedur der Rechnungsstellung ungeheuer kompliziert und sorgt immer wieder für etwas Verzögerungen und damit Ärger.

Vom Flugplatz kann man entweder mit dem Taxi für ca. 10 Euro zum Bahnhof fahren oder den Linienbus nehmen (1,50 Euro). Letzterer hat quasi direkt vor dem Flughafengelände eine Haltestelle. Die Linie 6 fährt zum Bahnhof. Das Ticket kann an Bord gekauft werden. Vom Bahnhof fahren sehr regelmässig Züge in 30 Minuten direkt nach Venedig. Auch Mietautos können aber mit Voranmeldung ab Flugplatz Padua genommen werden. Das Parken ist in Venedig allerdings unglaublich teuer.

Treviso - Sant' Angelo (LIPH)

Insbesondere seitdem der Flughafen von Treviso von Ryanair (als Alternative zu Tessèra) genutzt wird, ist auch dieser Platz für einen Venedig-Besuch eine Option, denn es gibt dadurch bedingt regelmäßige Shuttle-Busse für relativ wenig Geld direkt zur Piazzale Roma von Venedig. Die Anbindung ist somit deutlich besser als die von Padova (LIPU). Nachteil: Es gibt grundsätzlich erstmal kein Avgas (lediglich der Aeroclub hat Avgas, aber man bekommt nur auf vorherige Anfrage eine begrenzte Literzahl). Es ist für die Landung PPR notwendig, welches idelaerweise am Vortag, in der Praxis aber auch erst direkt vor dem Flug beantragt werden kann:

E-mail: general.aviation@trevisoairport.it
Tel. 0039 0422 315132; Fax: 0039 0422 315139

Ansonsten hat man die üblichen Annehmlichkeiten eines Großflughafens: Rund um die Uhr geöffnet, ILS, Zoll, Jetfuel, Verpflegung, Taxis, Mietwägen, etc. Die Gebühren für einen 2-Tonner liegen inklusive 24 Stunden Parken bei sehr erträglichen 35 Euro. Übrigens: Treviso selbst ist meiner Meinung nach eine der schönsten Städte Norditaliens und daher unabhängig von Venedig absolut einen ausgiebigen Besuch wert!

Aviosuperfici oder Campi di volo gibt es in sinnvoller Enfernung zu Venedig leider keine. Meiner Meinung nach sollte es sich aber ohnehin keiner entgehen lassen, den Flugplatz Venezia-Lido im Leben mindestens einmal als PIC angeflogen zu sein. Wenn man allerdings mit einem D-registierten UL unterwegs ist: unbedingt vorab telefonisch prüfen, ob man dort als solches willkommen ist.


© 2012 | Philipp Tiemann
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